Im Schatten der Erinnerung

Tagung in Eisenhüttenstadt

Am 11. September 2020 erinnert das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eissenhüttenstadt an die in deutschem Gewahrsam umgekommenen sowjetischen Kriegsgefangenen.

Zwischen 1941 und 1945 kamen etwa drei Millionen Rotarmisten in deutscher Kriegsgefangenschaft durch systematisches Aushungern, Zwangsarbeit und Massenmord ums Leben. Sowjetische Kriegsgefangene waren nach den europäischen Juden die zweitgrößte Opfergruppe der NS-Vernichtungspolitik. Gleichwohl wurde in der Zeit des Kalten Krieges in Ost wie West nur sehr selten an ihr Schicksal erinnert.

Mehr erfahren »

Die Geschichtspolitik der Sowjetunion und der DDR propagierte ausschließlich das ruhmreiche Bild der heldenhaften Sieger des „Großen Vaterländischen Krieges“. Kriegsgefangene Rotarmisten – ob tot oder lebendig – galten in der stalinistischen Sowjetunion als schändliche und feige „Landesverräter“. Wer überlebte, wurde nach Rückkehr in die Heimat entsprechend abgeurteilt, in den Gulag deportiert und damit aus der Erinnerung gelöscht. In der Bundesrepublik Deutschland wiederum galt die Sowjetunion als feindliche Macht und der Bolschewismus als fortbestehende Bedrohung der westlichen Welt. Ein Gedenken an sowjetische Opfer war deshalb unerwünscht, wie über die Verbrechen der Wehrmacht insgesamt lange geschwiegen wurde. Erst zum Ende der 1980er Jahre öffneten sich die ritualisierten Gedenkkulturen in Ost wie West. Dank zivilgesellschaftlicher Initiativen gibt es inzwischen vielerorts konkrete und lebendige Formen des Erinnerns.

Die Tagung diskutiert mit namhaften Historiker*innen die Frage, wie heute in Eisenhüttenstadt der sowjetischen Kriegsgefangenen würdig gedacht werden kann. Hier ruhen am Platz des Gedenkens die sterblichen Überreste von etwa 4.100 Rotarmisten, die im nur zwei Kilometer entfernten Kriegsgefangenenlager STALAG III B ums Leben gekommen waren. Die Toten waren 1951 anonym beigesetzt worden. Zukünftig sollen ihre Namen auf Erinnerungstafeln genannt werden.

Im Schatten der Erinnerung

Termin 11. September 2020, 10 bis 17 Uhr
Ort der Tagung Rathaus Eisenhüttenstadt, Saal der Stadtverordnetenversammlung
Zentraler Platz 1, 15890 Eisenhüttenstadt

Download des ausführlichen Tagungsprogramms

Die Tagung wird vom Dokumentationszentraum Alltagskultur der DDR organisiert und ist eine Begleitveranstaltung zur Ausstellung „Kunst der Erinnerung. Krieg, Befreiung, Freundschaft in Bildern aus dem Kunstarchiv Beeskow“, die noch bis zum 20. September 2020 im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR (Erich-Weinert-Allee 3, 15890 Eisenhüttenstadt) gezeigt wird.

Wegen des begrenzten Platzangebots ist die Teilnahme ausschließlich für angemeldete Gäste möglich.

Telefon 03364 417 355
Mail info@alltagskultur-ddr.de
Web www.alltagskultur-ddr.de

Bildunterschrift Platz des Gedenkens, ehemaliger Platz der deutsch-sowjetischen Freundschaft in Eisenhüttenstadt, 2019, Foto: © Peter Kaminsky (Wikimedia Commons)