NS-Künstlerkolonie Wriezen

Ausstellung im Rathaus Wriezen

Das Bild zeigt den Bildhauer Arno Breker, der im weißen Kittel an einer übergroßen Büste arbeitet. Die Büste soll Albert Speer zeigen, der im Hintergrund Modell sitzt.

Im Jahr 1940 erhielt der Bildhauer Arno Breker (1900-1991) das Rittergut Jäckelsbruch, das östlich der Stadt Wriezen im Landkreis Märkisch-Oderland liegt. Es war ein Geschenk zum 40. Geburtstag von Adolf Hitler. Breker war Mitte der 1930 Jahre zu einem der wichtigsten Bildhauer des nationalsozialistischen Deutschland aufgestiegen. Insbesondere zwei Monumentalfiguren, die er anlässlich der Olympischen Spiele entworfen hatte, erlangten große Aufmerksamkeit bei der NS-Führungsriege. Brekers Werke verkörperten die vorherrschenden Ideale der nationalsozialistischen Rassenlehre. Die Gunst Hitlers und die Gunst des so benannten “Generalbauinspekteurs für die Reichshauptstadt”, Albert Speer, verhalfen Breker zu lukrativen staatlichen Aufträgen. Seine Plastiken sollten die zukünftige Großgermanische Hauptstadt schmücken.
Eine Ausstellung im Rathaus Wriezen blickt auf den Ort, an dem Brekers Kunstwerke in monumentalen Werkstätten entstehen sollten.

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Das Atelier Brekers war Anziehungspunkt für eine Vielzahl von Kunstwerkstädten, die im Laufe des Zweiten Weltkrieges nach Wriezen kamen. Die enge Verbindung zum Bildhauer Breker sicherten Arbeitsplätze und weitere Privilegien zu. In der nahegelegenen Stadt Wriezen sollten Wohnstätten für tausende Kunstschaffende entstehen. Die Künstlerkolonie Wriezen sollte alles Dagewesene überbieten.
Das Voranschreiten des Zweiten Weltkrieges und die sich verschlechternde Versorgungslage zwangen die Pläne auf Eis zu legen. Schon im Laufe des Jahres 1944 konnten die Werkstätten und Kunstschaffenden nicht ausreichend versorgt werden. Im Winter 1944/45 mussten versprochene Kohlelieferungen zurückgenommen werden. Schon im Frühjahr 1945 zog Arno Breker nach Bayern, wo er nach der Besetzung des Deutschen Reiches trotz seines massiven künstlerischen Engagements für den Nationalsozialismus als Mitläufer eingestuft wurde. Die Künstlerkolonie Wriezen geriet in Vergessenheit.

Der Künstler und Ausstellungsmacher Detlef Mallwitz forscht seit Jahren zur Künstlerkolonie in Wriezen. In seiner aktuellen Ausstellung blickt er nicht nur auf die Entstehung während des Zweiten Weltkrieges. Er befasst sich darüber hinaus mit den frühen Nachkriegsjahren und den Bestrebungen, die Künstlerkolonie als VEB Arno Breker weiterzubetreiben.

Künstlerkolonie Wriezen. Gründung – Untergang – Abwicklung 1940-50

Laufzeit 7. Oktober – 30. Dezember 2020
Eintritt frei
Öffnungszeiten Mo 9-12 Uhr + 13-15.30 Uhr, Di 9-12 Uhr + 13-18 Uhr, Do 8-12 Uhr + 13-16 Uhr und Fr 9-12 Uhr
Ort Rathaus Wriezen, Freienwalder Straße 50, 16269 Wriezen

Hinweise für Besucher*innen

Aufgrund der jeweils aktuell geltenden Gesetzeslage kann es zu besonderen Anforderungen oder auch Einschränkungen für Besucherinnen, wie z.B. der Begrenzung der Anzahl der Teilnehmer*innen oder das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes, kommen. Es wird empfohlen, sich vor dem Besuch auf der Internetseite des Veranstalters über eventuelle Zutrittsbegrenzungen oder andere Besonderheiten zu informieren.

Telefon 033456 491 00
Website www.wriezen.de

Bildquelle Arno Breker arbeitet an der Büste von Albert Speer in dessen Anwesenheit, 1940 © Museum Arno Breker/MARCO-VG, Bonn Toestemming publicatie (Wikimedia Commons Licence CC BY-SA 2.5)

Kunst der Erinnerung

Ausstellung des Kunstarchivs Beeskow im Dokumentationszentrum für Alltagskultur der DDR

Das Kunstarchiv Beeskow bewahrt 17.000 Werke der bildenden Künste aus 40 Jahren DDR-Geschichte auf. Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus haben die Mitarbeiter*innen einen Blick tief in ihr Archiv geworfen. Sie haben sich gefragt, wie die Themen Zweiter Weltkrieg, Befreiung vom Nationalsozialismus und Freundschaft zur Sowjetunion in der bildenden Kunst verarbeitet wurden. Entstanden ist eine Ausstellung, die noch bis zum 20. September 2020 im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt zu sehen ist.

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Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus zeigt das Kunstarchiv Beeskow seit dem 12. Mai eine Auswahl von Gemälden und Grafiken im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt. Die Kunstwerke befassen sich mit den Themen »Krieg, Befreiung, Freundschaft«. Diese drei Themen besaßen zentrale Bedeutung für das künstlerische Schaffen in der DDR. Massenorganisationen als wichtige Auftraggeber, etwa die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft oder der Verband Bildender Künstler (VBK), setzten sie immer wieder auf die Agenda. 

Der damit einhergehenden inhaltlichen Kanonisierung und Festlegung auf ein motivisches Repertoire folgte spätestens Ende der 1970er-Jahre ein Aufbruch zu neuen Formen und Sujets. Bis dahin in der Kunst tabuisierte Themen wie der Völkermord an den europäischen Juden wurden nun tastend aufgegriffen, und formelhafte Bekenntnisse wie jenes der »Freundschaft zur Sowjetunion« wurden vorsichtig hinterfragt. Im Zentrum der Ausstellung stehen Arbeiten, die sich jenseits enger ideologischer Leitbilder einer kritischen Perspektive auf die deutsche Geschichte verpflichtet fühlten und deshalb noch heute zur Reflexion anregen.

Kunst der Erinnerung. Krieg, Befreiung, Freundschaft in Bildern aus dem Kunstarchiv Beeskow

Laufzeit 12. Mai bis 20. September 2020 
Eintritt bis zum 24. Juni 2020: frei, danach 4 €, erm. 2 € 
Öffnungszeiten Di–So 10–18 Uhr 
Ort Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR Erich-Weinert-Allee 3, 15890 Eisenhüttenstadt

Bitte beachten Sie während des Museumsbesuchs:
Aufgrund der jeweils aktuell geltenden Gesetzeslage kann es zu besonderen Anforderungen oder auch Einschränkungen für Besucher*innen, wie z.B. der Begrenzung der Anzahl der Besucher*innen oder das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes, kommen. Es wird empfohlen, sich vor dem Besuch auf der Internetseite des Veranstalters über eventuelle Zutrittsbegrenzungen oder andere Besonderheiten zu informieren.

Telefon 03364 417 355 
E-Mail info@alltagskultur-ddr.de 
Web www.alltagskultur-ddr.de 

Das Ende des Zweiten Weltkrieges im Oderbruch

Russischer Panzer auf einem Podest, davor Blumenkränze, die an die Opfer des Krieges erinnernAm 8. Februar 2020 erinnerten die Letschiner Heimatstuben mit einer Veranstaltung in Kienitz, dem Ort des ersten sowjetischen Brückenkopfes westlich der Oder, an die Kämpfe vor 75 Jahren im Oderbruch.

Am 31. Januar 1945 erreichte die Rote Armee das westliche Ufer der Oder und errichtete nahe dem Ort Kienitz einen ersten Brückenkopf auf dem heutigen Gebiet des Landes Brandenburg. Um nicht zwischen die Fronten zu geraten, floh die Kienitzer Bevölkerung über den gefrorenen Fluss in Richtung Osten.

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Im Laufe der nächsten Wochen baute die Rote Armee den Brückenkopf aus, um eine Großoffensive auf die Reichshauptstadt Berlin zu starten. Die Kämpfe um Kienitz und das Küstriner Vorland dauerten Wochen, mehr als 80% des Dorfes wurden zerstört. Zehntausende Soldaten starben auf beiden Seiten bei den Kämpfen im Oderbruch. Heute erinnert ein sowjetischer Panzer in Kienitz an die Opfer des Zweiten Weltkrieges.

Die Letschiner Heimatstuben haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an die Opfer des vom Nationalsozialismus initiierten Eroberungs- und Vernichtungskrieges wachzuhalten. 75 Jahre nach der Eröffnung des ersten sowjetischen Brückenkopfes westlich der Oder luden die Initiatoren zur Besichtigung des historischen Ortes und zu Gesprächen mit Zeitzeugen ein. Der Militärhistoriker Gerd-Ulrich Herrmann berichtete im Anschluss von der Tragweite des Kienitzer Brückenkopfes, den Kämpfen und den Folgen des Zweiten Weltkrieges im Oderbruch.

Termin 8. Februar 2020, 14 Uhr
Ort Gasthof zum Hafen, Deichweg 20, 15324 Letschin OT Kienitz

Bildquelle Das Panzerdenkmal in Kienitz © Letschiner Heimatstuben