Kriegskinder

Zeitzeugenprojekt im Stadtmuseum Schwedt

Das Stadtmuseum Schwedt blickte im Themenjahr 2020 mit einer neuen Ausstellung in die Zeit des Wiederaufbaus der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Wie viele andere Städte an der Oder war auch Schwedt von massiven Zerstörungen betroffen. In der Ausstellung kamen die Menschen zur Sprache, die die Stadt wiederaufgebaut und auch das große Erdölverarbeitungswerk der PCK Raffinerie mit errichtet hatten.

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Die Ausstellung im Stadtmuseum Schwedt stellte die “Kriegskinder” in filmischen Portraits vor. Es war ihre Generation, die das Erdölverarbeitungswerk und die Stadt Schwedt in den 1960er-Jahren mit aufgebaut hat und noch heute dort lebt. Bei dieser Aufbaugeneration handelt es sich größtenteils um Kinder, die während des Zweiten Weltkriegs geboren wurden und 1945 vor der Roten Armee fliehen mussten. 1960 folgten sie dem Aufruf der FDJ und kamen in die Uckermark. Unter der Losung “Zukunft, Aufbau und Fortschritt im Herzen” gestalteten sie sich eine neues Leben.

Die Journalistin Franziska Tenner ging den verschiedenen, oft schmerzlichen Lebenswegen der Neuschwedter auf den Grund und hielt sie filmisch fest. Die so entstandenen Videoporträts wurden durch persönliche Erinnerungsstücke aus den ursprünglichen Herkunftsregionen, wie Lieder, Objekte, Fotografien und Rezepte ergänzt.

Das Projekt verstand sich als Angebot, um über das verschwiegene, teils unbewusste Erbe der Erbauer von Schwedt/Oder ins Gespräch zu kommen.

KRIEGSKINDER. Verlorene Heimat. Neue Wege

Laufzeit 13. Oktober — 29. November 2020
Eintritt frei
Öffnungszeiten Di—Fr 10 — 17 Uhr, Sa+So 14 — 17 Uhr
Ort Stadtmuseum Schwedt/Oder
Jüdenstraße 17, 16303 Schwedt/Oder

Telefon 03332 446 791
E-Mail museum.stadt@schwedt.de
Web www.schwedt.eu/stadtmuseum

Komme Bald!

Ein Eisenbahntheater über junge Kriegsheimkehrer aus sowjetischen Lagern

Das Bild zeigt vier Frauen, die in blauer Arbeitskleidung am Fenster einer Holzbaracke stehen.

Das Theater “Das Letzte Kleinod” hat 2019/202 mit Zeitzeugen, inzwischen hochbetagt, über ihre verlorene Jugend in sibirischen Lagern gesprochen. Aus ihren Erzählungen war das Eisenbahntheaterstück “Komme Bald!” entstanden.

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Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden viele junge Männer zum Kampf gegen die Rote Armee an die Ostfront geschickt. Schlecht ausgebildet und ausgestattet waren sie auf das Kommende nicht vorbereitet. Diejenigen, die überlebten, kamen in sowjetische Kriegsgefangenenschaft. Erst Jahre später kehrten sie zurück. Im Sommer 2020 ging das Theaterensemble “Das Letzte Kleinod” mit dem Eisenbahntheaterstück “Komme Bald!” auf die Reise durch Deutschland.

Die Kriegsheimkehrer hatten den Krieg, die Gefangennahme und die Straflager überlebt. Manche galten als verschollen und hatten jahrelang keinen Kontakt zu ihren Angehörigen. Viele waren kriegsversehrt oder durch Mangelernährung ausgemergelt. Nach tagelangen Transporten kamen sie im Lager Gronenfelde am Stadtrand von Frankfurt (Oder) an. Hier wurden sie entlaust, bekamen Kleidung und Essen. Und hier durften sie ein Telegramm nach Hause schicken: “ich lebe” oder “KOMME BALD!”. Kurze Zeit danach trafen sie in der Heimat ein, manche erst nach zehn Jahren der Trennung.

Das Theaterensemble “Das Letzte Kleinod” besuchte Zeitzeugen, welche die Kriegsgefangenschaft erlebt hatten und davon berichten konnten. Alle sind inzwischen mindestens 92 Jahre alt. Die ehemaligen Soldaten erzählten von der Kindheit in der Hitlerjugend, von der Verblendung durch den Nationalsozialismus, von der Verrohung der Jugendlichen im Krieg, wie sie im Lager überlebt haben und schließlich entlassen wurden.

Komme Bald!

Premiere 13. August 2020, 20 Uhr
weitere Termine 14.+15. August 2020, jeweils 19 und 21 Uhr
16. August 2020, 15 Uhr
Eintritt 23 Euro, ermäßigt 18 Euro
Ort DB Netz Gelände
Zugang über August-Bebel-Str./Fürstenwalder Str., 15230 Frankfurt (Oder)

Weitere Aufführungen finden in Fürstenwalde (19.-21. August 2020), Wustermark (24.-26. August 2020), Gräfenhainichen (29.-31. August 2020), Weißenfels (3.-5. September 2020), Erfurt (8.-10. September 2020) und Eisenach (13.-15. September 2020) statt.

Telefon 04749 10 300 60
E-Mail produktion@das-letzte-kleinod.de
Web www.das-letzte-kleinod.de

Bildquelle Die Darstellerinnen des Theatherstücks “Komme Bald!” auf dem Gelände des Gulag-Museum Perm 36, v.l.n.r.: Natalia Voskoboynikova, Regina Winter, Margarita Wiesner und Elisabeth Müller, Foto: Jens-Erwin Siemssen © Das Letzt Kleinod e.V.

In Trümmern – Prenzlau 1945

Ausstellung im Dominikanerkloster Prenzlau

Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt Prenzlau massiv zerstört. Vieles ging verloren, Gebäude, Kunstschätze und ein großer Teil der kulturellen Identität. Eine Ausstellung im Kulturhistorischen Museum der Stadt widmete sich 2020 den Folgen des Zweiten Weltkrieges in der Stadt. Sie präsentierte die geretteten und wiedergefundenen Schätze der Uckermark und zeigte auch, was verloren ging.

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Ende April 1945 wurde die Stadt Prenzlau, die einstige “Perle der Uckermark”, massiv zerstört. Aus der gewaltigen Schutthalde ragten nur noch die Türme der Kirchenruine empor. Der wichtigste Bestandteil der kulturellen Identität der Stadt, die museale Sammlung, war bedroht. Dennoch gelang es, große Teile der Sammlung zu retten. Es grenzte an ein Wunder. Die Geschichte dieses Wunders begann mit einer waghalsigen Evakuierung im Frühjahr 1945. Sie zog sich über die Jahre des Kalten Krieges hin und endete mit einer deutsch-deutschen Restitution im Jahr 1987.

Das Dominikanerkloster Prenzlau präsentierte 2020 die Ausstellung “In Trümmern. Prenzlau 1945 – gerettet. bewahrt. erinnert”, die das Ausmaß der Zerstörungen in Prenzlau und die langfristigen Folgen für die kulturelle Identität der gesamten Region thematisierte. In Zusammenarbeit mit dem Museumsverband des Landes Brandenburg wurden außerdem wiederentdeckte historische Aufnahmen präsentiert, die den Verlust der Sammlung offenbaren.

Ergänzend erarbeiteten Schüler*innen des Christa-und-Peter-Scherpf-Gymnasiums Prenzlau eine Bild-Ton-Text-Ausstellung, die sich dem Thema “KRIEG und FRIEDEN. 1945 und die Folgen in Brandenburg am Beispiel der uckermärkischen Stadt Prenzlau” widmete.

Ausstellung “In Trümmern. Prenzlau 1945 – gerettet. bewahrt. erinnert”

Laufzeit 21. Juni – 30. Dezember 2020
Eintritt 4 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei
Öffnungszeiten Di – So 10–18 Uhr
Ort Kulturhistorisches Museum im Dominikanerkloster Prenzlau
Uckerwiek 813, 17291 Prenzlau

Telefon 03984/ 752 65
E-Mail museum@dominikanerkloster-prenzlau.de
Web www.dominikanerkloster-prenzlau.de

Ablauf der Eröffnung

Begrüßung
Hendrik Sommer, Bürgermeister der Stadt Prenzlau

Grußworte
Tobias Dünow, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg
Christian Müller-Lorenz, Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH, Kulturland Brandenburg

Einführung in die Ausstellung
Dr. Christian Hirte, Kurator der Ausstellung
Jürgen Theil, Lehrer am Christa-und-Peter-Scherpf-Gymnasium Prenzlau und Leiter des Schülerprojektes

Im Anschluss konnten die Besucher*innen in kleinen Gruppen durch die Ausstellung geführt werden.

Die Eröffnung wurde musikalisch vom Streichquartett des Preußischen Kammerorchesters begleitet.

Die Waldlager der Roten Armee in Brandenburg

Ausstellung im Kornspeicher Neumühle

Das Bild zeigt die Gürtelschnalle eines deutschen Soldaten. Darauf wurde ein Sowjetstern eingeritzt.

Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende entdeckten Archäologen in Brandenburgs Wäldern bislang unbekannte Hinterlassenschaften aus der Zeit unmittelbar nach dem Kampf um Berlin. Sie stammen von tausenden Rotarmisten, die im Sommer 1945 in sogenannten Waldlagern der Roten Armee untergebracht waren. Diese Hinterlassenschaften wurden im Rahmen einer Ausstellung im Kornspeicher Neumühle gezeigt. 

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Vielerorts finden sich noch heute rechteckige Gruben, militärisch exakt entlang der Waldwege aufgereiht. Diese Eingrabungen sind Reste von Blockhäusern. In und bei diesen Unterständen lagen materielle Reste des Alltags der Soldaten der Roten Armee: militärische Ausrüstung, sowjetische und deutsche Abzeichen, Essgeschirre und anderes Zubehör.

Die Gegenstände tragen teilweise kyrillische Inschriften, es wurden auch Propaganda-Parolen und Kennmarken von Rotarmisten aus der Gefangenschaft gefunden. Es sind eindringliche Zeugnisse der Verhältnisse im besetzten Brandenburg. Die Ausstellung im Kornspeicher Neumühle erzählte die Geschichte der Waldlager und ihrer Bewohner*innen, die nicht nur aus Rotarmisten, sondern auch aus befreiten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern bestand. Die Ausstellung war ein Kooperationsprojekt mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum.

Im Rahmenprogramm der Ausstellung stellte der Kornspeicher Neumühle u. a. das zwischen 1941 und 1945 entstandene Tagebuch einer unbekannten Neuruppinerin vor. “Wenn doch bald Ruhe und Frieden wäre” erschien im März 2020 im Regionalverlag Ruppin. 

Zwischen Krieg und Frieden.
Die Waldlager der Roten Armee in Brandenburg 1945 

Laufzeit 20. Mai – 29. Juli 2020
Eintritt frei
Öffnungszeiten täglich 10–18 Uhr
Ort Kornspeicher Neumühle, Neumühle 3, 16827 Neuruppin OT Alt Ruppin 

Telefon 03391 751 50
E-Mail post@kornspeicherneumuehle.de
Web www.kornspeicherneumuehle.de

Bildquelle Waldlagerfunde, Foto: Frank Gaudlitz/frank-gaudlitz.de © Kulturland Brandenburg 2020