Komme Bald!

Ein Eisenbahntheater über junge Kriegsheimkehrer aus sowjetischen Lagern

Das Bild zeigt vier Frauen in blauer Arbeitskleidung. Eine von ihnen schaut aus dem Fenster einer Holzbaracke. Die anderen drei stehen und knien vor dem Fenster der Baracke.

Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden viele junge Männer zum Kampf gegen die Rote Armee an die Ostfront geschickt. Schlecht ausgebildet und ausgestattet waren sie auf das Kommende nicht vorbereitet. Diejenigen, die überlebten, kamen in sowjetische Kriegsgefangenenschaft. Erst Jahre später kehrten sie zurück. Das Theater “Das Letzte Kleinod” hat mit Zeitzeugen, inzwischen hochbetagt, über ihre verlorene Jugend in sibirischen Lagern gesprochen. Aus den Erzählungen der Zeitzeugen entstand das Eisenbahntheaterstück “Komme Bald!”.
Im Sommer 2020 geht das Eisenbahntheatrer auf die Reise durch Deutschland.

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Die Kriegsheimkehrer hatten den Krieg, die Gefangennahme und die Straflager überlebt. Manch galten als verschollen und hatten jahrelang keinen Kontakt zu ihren Angehörigen. Viele waren kriegsversehrt oder durch Mangelernährung ausgemergelt. Nach tagelangen Transporten kamen sie im Lager Gronenfelde am Stadtrand von Frankfurt (Oder) an. Hier wurden sie entlaust, bekamen Kleidung und Essen. Und hier durften sie ein Telegramm nach Hause schicken: “ich lebe” oder “KOMME BALD!”. Kurze Zeit danach trafen sie in der Heimat ein, manche erst nach zehn Jahren der Trennung.

Das Theater “Das Letzte Kleinod” besuchte Zeitzeugen, welche die Kriegsgefangenschaft erlebt hatten und davon berichten konnten. Alle sind inzwischen mindestens 92 Jahre alt. Die ehemaligen Soldaten erzählten von der Kindheit in der Hitlerjugend, von der Verblendung durch den Nationalsozialismus, von der Verrohung der Jugendlichen im Krieg, wie sie im Lager überlebt haben und schließlich entlassen wurden.

Komme Bald!

Premiere 13. August 2020, 20 Uhr
weitere Termine 14.+15. August 2020, jeweils 19 und 21 Uhr
16. August 2020, 15 Uhr
Eintritt 23 Euro, ermäßigt 18 Euro
Ort DB Netz Gelände
Zugang über August-Bebel-Str./Fürstenwalder Str., 15230 Frankfurt (Oder)

Weitere Aufführungen finden in Fürstenwalde (19.-21. August 2020), Wustermark (24.-26. August 2020), Gräfenhainichen (29.-31. August 2020), Weißenfels (3.-5. September 2020), Erfurt (8.-10. September 2020) und Eisenach (13.-15. September 2020) statt.

Karten können über die Website des Theaters gebucht werden.

Telefon 04749 10 300 60
E-Mail produktion@das-letzte-kleinod.de
Web www.das-letzte-kleinod.de

Bildquelle Die Darstellerinnen des Theatherstücks “Komme Bald!” auf dem Gelände des Gulag-Museum Perm 36, v.l.n.r.: Natalia Voskoboynikova, Regina Winter, Margarita Wiesner und Elisabeth Müller, Foto: Jens-Erwin Siemssen © Das Letzt Kleinod e.V.

Bahnhof Europas

Veranstaltungsreihe

Am 2. Juni 2020 startet eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Deutschen Kulturforums östliches Europa, des Museums Viadrina und des Instituts für angewandte Geschichte – Gesellschaft und Wissenschaft im Dialog e.V.
Mit fünf Veranstaltungen in Frankfurt (Oder) und Potsdam, in die teilweise Zeitzeugen eingebunden sind, will die Reihe 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Potsdamer Konferenz ein Stück wechselvoller brandenburgischer, aber auch europäischer Geschichte wiederentdecken.

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Als Auftakt der Veranstaltungsreihe findet am Dienstag, dem 2. Juni um 18 Uhr der gleichnamige Vortrag von Prof. Dr. Werner Benecke, Osteuropahistoriker an der Europa Universität-Viadrina in Frankfurt (Oder), statt. Die virtuelle Veranstaltung kann auf dem YouTube-Kanal des Deutschen Kulturforums östliches Europa verfolgt werden. Auch nach der YouTube-Premiere ist die Aufzeichnung dort abrufbar. Der Vortrag thematisiert das Jahr 1945 als eine der tiefsten Zäsuren der gesamten Stadtgeschichte von Frankfurt (Oder). In sehr hoher zeitlicher Verdichtung erfuhr die dortige Bevölkerung erst in den letzten Wochen des Krieges tiefe Umbrüche, wie die Evakuierung, die Zerstörung des Stadtzentrums und die Teilung der Stadt entlang der Oder, die zu einer neuen Grenze wurde. Der Vortrag wird zunächst die globalen politischen und militärischen Rahmenbedingungen des Jahres 1945 darlegen. Im Anschluss werden die Frankfurter Ereignisse bei Kriegsende und die neue Funktion der Stadt als Station auf unzähligen erzwungenen Lebenswegen eingeordnet.

Weitere Termine der Veranstaltungsreihe im Überblick:

28. September 2020, 18 Uhr
»Von Sibirien nach Słubice«, Vortrag und Gespräch

28. Oktober 2020, 18 Uhr
»Die Russen sind da! Frankfurt (Oder) in den ersten beiden Nachkriegsjahren«, Vortrag 

30. Oktober 2020, 18 Uhr
»Europe on the Move. Frankfurt (Oder) 1945«, Podiumsdiskussion

18. November 2020, 17 Uhr
»Bürgermeisterinnen, Ärztinnen, Archivarinnen. Die Frauen in Frankfurt (Oder) 1945 und in den ersten Nachkriegsjahren«, Podiumsdiskussion und Filmvorführung

Krieg und Frieden in Brandenburg: Frankfurt (Oder) 1945

Ausstellung im Museum Viadrina, Frankfurt (Oder)

Das Bild zeigt die Große Scharrnstraße in Frankfurt (Oder) nach den Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg

Am 17. Mai, dem Internationalen Museumstag, öffnet das Museum Viadrina wieder die Türen und zeigt eine neue Ausstellung über das Ende des Zweiten Weltkrieges. Bis 1945 ist Frankfurt (Oder) unumstritten die Hauptstadt Ostbrandenburgs. Als Verwaltungs- und Militärstandort kommt der Stadt eine wichtige Bedeutung in der Geschichte von Krieg und Gewalt zwischen 1939 und 1945 zu, die in der Sonderausstellung reflektiert wird. Exemplarisch lassen sich hier die Folgen des Krieges studieren, der zur Zerstörung des historischen Stadtzentrums, zu neuen Grenzen in Europa und zu Flucht- und Migrationsereignissen führten.

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Noch heute sind diese Folgen in der Odermetropole eindringlich spürbar. Frankfurt wird zu einem Menschenumschlagplatz für Millionen, allein 1,5 Millionen Kriegsgefangene und Zivilverschleppte werden zwischen 1945 und 1950 in Frankfurt in die Freiheit entlassen. Auch viele Tausend Polen werden aus sowjetischen Lagern entlassen und müssen u. a. in der ehemaligen Dammvorstadt, die seit 1945 Słubice heißt, eine neue Heimat finden. Die Stadt erfindet sich nach dem Krieg neu: in ihrer Bausubstanz, als Grenzstadt und als Wirtschaftsstandort.

Krieg und Frieden in Brandenburg. Frankfurt (Oder) 1945

Eröffnung 17. Mai 2020, 11 Uhr
Laufzeit 17. Mai bis 18. Oktober 2020
Eintritt 4 Euro, erm. 2,80 Euro
Öffnungszeiten Di–So 11–17 Uhr
Ort Museum Viadrina
Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 11, 15230 Frankfurt (Oder)

Aufgrund der jeweils aktuell geltenden Gesetzeslage kann es zu besonderen Anforderungen oder auch Einschränkungen für Besucher*innen, wie z.B. der Begrenzung der Anzahl der Teilnehmer*innen oder das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes, kommen. Es wird empfohlen, sich vor dem Besuch auf der Internetseite des Veranstalters über evtl. Zutrittsbegrenzungen oder andere Besonderheiten zu informieren.

Telefon 0335 401 56 10
Mail verwaltung@museum-viadrina.de
Web www.museum-viadrina.de

Bildquelle/-nachweis: Frankfurt (Oder), Große Scharrnstraße, nach 1945 © Museum Viadrina