Die Waldlager der Roten Armee in Brandenburg

Das Bild zeigt die Gürtelschnalle eines deutschen Soldaten. Darauf wurde ein Sowjetstern eingeritzt.

Waldlagerfunde, Foto: Frank Gaudlitz/frank-gaudlitz.de © Kulturland Brandenburg 2020

Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende entdeckten Archäologen in Brandenburgs Wäldern bislang unbekannte Hinterlassenschaften aus der Zeit unmittelbar nach dem Kampf um Berlin. Sie stammen von tausenden Rotarmisten, die im Sommer 1945 in sogenannten Waldlagern der Roten Armee untergebracht waren. Diese Hinterlassenschaften werden im Rahmen einer Ausstellung bis zum 29. Juli 2020 im Kornspeicher Neumühle gezeigt.

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Vielerorts finden sich noch heute rechteckige Gruben, militärisch exakt entlang der Waldwege aufgereiht. Diese Eingrabungen waren Reste von Blockhäusern. In und bei diesen Unterständen lagen materielle Reste des Alltags der Soldaten der Roten Armee: militärische Ausrüstung, sowjetische und deutsche Abzeichen, Essgeschirre und anderes Zubehör. Die Gegenstände tragen teilweise kyrillische Inschriften, es gibt auch Propaganda-Parolen und Kennmarken von Rotarmisten aus der Gefangenschaft. Die Funde sind eindringliche Zeugnisse der Verhältnisse im besetzten Brandenburg. Die Ausstellung im Kornspeicher Neumühle erzählt die Geschichte der Waldlager und ihrer Bewohner, die nicht nur aus Rotarmisten, sondern auch aus befreiten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern bestand. Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum.

Im Rahmenprogramm der Ausstellung stellt der Kornspeicher Neumühle
u. a. das zwischen 1941 und 1945 entstandene Tagebuch einer unbekannten Neuruppinerin vor. »Wenn doch bald Ruhe und Frieden wäre« erschien im März 2020 im Regionalverlag Ruppin. 

Zwischen Krieg und Frieden.
Die Waldlager der Roten Armee in Brandenburg 1945 

Laufzeit 20. Mai – 29. Juli 2020
Eintritt frei
Öffnungszeiten täglich 10–18 Uhr
Ort Kornspeicher Neumühle, Neumühle 3, 16827 Neuruppin OT Alt Ruppin 

Aufgrund der jeweils aktuell geltenden Gesetzeslage kann es zu besonderen Anforderungen oder auch Einschränkungen für Besucher*innen, wie z.B. der Begrenzung der Anzahl der Teilnehmer*innen oder das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes, kommen. Es wird empfohlen, sich vor dem Besuch auf der Internetseite des Veranstalters über evtl. Zutrittsbegrenzungen oder andere Besonderheiten zu informieren.

Telefon 03391 751 50
E-Mail post@kornspeicherneumuehle.de
Web www.kornspeicherneumuehle.de

Wir erinnern uns in Europa – Europa, wsłuchając sie w naszą historie

Wir erinnern uns in Europa: Das Bild zeigt den Kulturzug Berlin-Breslau vor der europäischen Flagge.

Am 9. Mai 2020 geht Kulturland Brandenburg auf virtuelle Fahrt mit dem Kulturzug / Pociąg do kultury Berlin-Wrocław

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Seit vier Jahren fährt der Kulturzug von Berlin nach Wrocław und erfreut tausende Reisende mit einem vielfältigen deutsch-polnischen Kulturprogramm. Aufgrund der Corona-Pandemie und der Schließung der deutsch-polnischen Grenze kann der Kulturzug momentan nicht fahren. Die deutschen und polnischen Kulturschaffenden führen das Programm jetzt virtuell fort.
Am Europa-Tag 2020 widmet sich der Kulturzug dem Thema »KRIEG und FRIEDEN« und Kulturland Brandenburg fährt mit. Die zahlreichen Gäste aus Deutschland und Polen stellen sich gemeinsam die Frage, wie wir uns 75 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus und dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa erinnern.

Wir erinnern uns in Europa…
Eine virtuelle Fahrt mit dem Kulturzug von Berlin nach Wrocław

Start 9. Mai 2020, 14.35 Uhr
Plattform YouTube-Kanal des Kulturzuges Berlin-Wrocław
Link zur Live-Übertragung https://www.youtube.com/watch?v=0j6FPOKJWJw&feature=youtu.be

Programm

»Gespräche in Fahrt«:
mit Manja Schüle, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, und Rafał Dutkiewicz, Stadtpräsident a. D. der Stadt Wrocław
Moderation: Natalie Wasserman

Lesung und Zeitzeugengespräch:
Anatol Gotfryd (geb.1930), Zeuge der deutschen Besatzung Polens und des Warschauer Aufstandes, seit 1958 Westberliner, liest aus seiner Autobiographie »Der Himmel über Westberlin«.
Anschließend spricht Dorota Danielewicz mit Anatol Gotfryd über seine Erinnerungen zwischen Wrocław und Berlin.

Digitale Führung durch die deutsch-polnische Geschichte Wrocławs:
Die Journalistin Joanna Mielewczyk erzählt Geschichten aus der Vorkriegszeit, die sie für ihr Buch “Breslauer Häuser“ recherchiert hat.

Musikprogramm:
Jakub Olejnik (Bass, Akademia Muzyczna Wroclaw), Waldemar Gromolak (Gitarre, Akademia Muzyczna Wrocław), Karolina Trybała (Leipzig, Gesang) und Dejan Jovanovic (Akkordeon, Berlin)

Weitere Gäste des Kulturzuges:
Brigitte Faber-Schmidt, Geschäftsführerin der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH, Kulturland Brandenburg
Christian Müller-Lorenz, Zeithistoriker und Mitarbeiter der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH, Kulturland Brandenburg

Programmkonzept/ Realisierung:
Natalie Wasserman, Ewa Stróżczyńska-Wille, Oliver Spatz

Kulturland entdecken: Andreas Claus spricht über die Orte des »Verlorenen Transports«

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Im zweiten Teil unserer Web-Doku haben wir Andreas Claus, Bürgermeister a.D. der Stadt Uebigau-Wahrenbrück, gefragt, welche Bedeutung die Erinnerungsorte des »Verlorenen Transports« heute noch für das Elbe-Elster-Land haben.

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Die Geschichte des »Verlorenen Transports«

Am 23. April 1945 stießen Soldaten der Roten Armee bei Tröbitz auf einen Häftlingstransport aus dem KZ Bergen-Belsen. 2.400 Menschen waren in 45 »Viehwaggons« eingepfercht. Zwölf Tage lang hatten sie unter den katastrophalen Bedingungen des Transports gelitten.
Auf Befehl der Roten Armee mussten die umliegenden Dörfer Unterkünfte und Verpflegung bereitstellen. Doch das Engagement der Tröbitzerinnen ging über das Befohlene weit hinaus. »Ich war überrascht, welche Kräfte diese Frauen besaßen und wie hart sie anpackten«, beschrieb die Überlebende Renata Laqueur. Die Geschichte von Tröbitz ist einzigartig. Die Begegnungen zwischen der deutschen Bevölkerung, den jüdischen Befreiten und den sowjetischen Soldaten stehen als ein erster Moment der »Hinwendung zur Menschlichkeit« am Ende der Shoa. Durch das Engagement der Überlebenden und Hinterbliebenen, aber auch vieler Bürgerinnen der Gemeinde wurde und wird die Erinnerung an den »Verlorenen Transport« bis heute wach gehalten.

Die Eröffnung des Themenjahres

Mit der Eröffnung des Themenjahres »KRIEG und FRIEDEN. 1945 und die Folgen in Brandenburg« am 23. April 2020 wollte Kulturland Brandenburg gemeinsam mit an den Akteurinnen vor Ort an die Befreiung des »Verlorenen Transports« in Tröbitz erinnern. Gleichzeitig sollte das unermüdliche und anhaltende Engagement der jüdischen Überlebenden und der Tröbitzerinnen zur Wahrung der Erinnerung gewürdigt werden. Aufgrund der Corona-Pandemie musste Kulturland Brandenburg die öffentliche Auftaktveranstaltung zum Themenjahr leider absagen.

Mit Unterstützung vieler Expert*innen verlagern wir die Erinnerung auf unsere Website und auf unsere Social Media Kanäle. Unsere Webserie »Kulturland entdecken« ist der perfekte Ort dafür. Hier präsentieren wir spannende Hintergrundgeschichten, Videobotschaften und Trailer zu den Kulturland-Projekten, zum Themenjahr ganz allgemein und vielem mehr im ganzen Land.

In der nächsten Folge spricht Dr. Peter Fischer, Vertreter des Zentralrats der Juden für Gedenkstättenangelegenheiten, darüber, was den »Verlorenen Transport« so einzigartig macht.

Kulturland entdecken: 75 Jahre Befreiung des »Verlorenen Transports«

Dr. Thomas Rahe, wissenschaftlicher und stellvertretender Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen, berichtet über die Häftlinge des »Verlorenen Transports«.

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Die Geschichte des »Verlorenen Transports«

Am 23. April 1945 stießen Soldaten der Roten Armee bei Tröbitz auf einen Häftlingstransport aus dem KZ Bergen-Belsen. 2.400 Menschen waren in 45 »Viehwaggons« eingepfercht. Zwölf Tage lang hatten sie unter den katastrophalen Bedingungen des Transports gelitten.
Auf Befehl der Roten Armee mussten die umliegenden Dörfer Unterkünfte und Verpflegung bereitstellen. Doch das Engagement der Tröbitzer*innen ging über das Befohlene weit hinaus. »Ich war überrascht, welche Kräfte diese Frauen besaßen und wie hart sie anpackten«, beschrieb die Überlebende Renata Laqueur.
Die Geschichte von Tröbitz ist einzigartig. Die Begegnungen zwischen der deutschen Bevölkerung, den jüdischen Befreiten und den sowjetischen Soldaten stehen als ein erster Moment der »Hinwendung zur Menschlichkeit« am Ende der Shoa. Durch das Engagement der Überlebenden und Hinterbliebenen, aber auch vieler Bürger*innen der Gemeinde wurde und wird die Erinnerung an den »Verlorenen Transport« bis heute wach gehalten.

Die Eröffnung des Themenjahres

Mit der Eröffnung des Themenjahres »KRIEG und FRIEDEN. 1945 und die Folgen in Brandenburg« am 23. April 2020 wollte Kulturland Brandenburg gemeinsam mit an den Akteur*innen vor Ort an die Befreiung des »Verlorenen Transports« in Tröbitz erinnern und das unermüdliche und anhaltende Engagement der jüdischen Überlebenden und der Tröbitzer*innen zur Wahrung der Erinnerung würdigen. Aufgrund der Corona-Pandemie musste Kulturland Brandenburg die öffentliche Auftaktveranstaltung zum Themenjahr leider absagen.

Mit Unterstützung vieler Expert*innen verlagern wir die Erinnerung auf unsere Website und auf unsere Social Media Kanäle. Unsere Webserie »Kulturland entdecken« ist der perfekte Ort dafür, denn hier präsentieren wir spannende Hintergrundgeschichten, Videobotschaften und Trailer zu den Kulturland-Projekten, zum Themenjahr ganz allgemein und vielem mehr im ganzen Land.

In der kommenden Woche zeigen wir weitere Videos und Expertenstimmen.

Kulturland entdecken: Kulturministerin Manja Schüle zum Themenjahr »KRIEG und FRIEDEN«

In der zweiten Folge unserer neuen Webserie »Kulturland entdecken« begrüßen wir Manja Schüle, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.

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Kulturministerin Manja Schüle spricht anlässlich des Themenjahres »KRIEG und FRIEDEN. 1945 und die Folgen in Brandenburg – Kulturland Brandenburg 2020« über die Bedeutung des Jahres 1945 und unsere Verantwortung zur Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus.

»Kulturland entdecken« ist die neue Webserie von Kulturland Brandenburg. Wir präsentieren auf unserer Website, auf YouTube, Facebook und Instagram spannende Hintergrundgeschichten, Videobotschaften und Trailer zu den Kulturland-Projekten, zum Themenjahr ganz allgemein und vielem mehr im ganzen Land.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges im Oderbruch

Russischer Panzer auf einem Podest, davor Blumenkränze, die an die Opfer des Krieges erinnern

Das Panzerdenkmal in Kienitz © Letschiner Heimatstuben

Am 8. Februar 2020 erinnerten die Letschiner Heimatstuben mit einer Veranstaltung in Kienitz, dem Ort des ersten sowjetischen Brückenkopfes westlich der Oder, an die Kämpfe vor 75 Jahren im Oderbruch.

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Am 31. Januar 1945 erreichte die Rote Armee das westliche Ufer der Oder und errichtete nahe dem Ort Kienitz einen ersten Brückenkopf auf dem heutigen Gebiet des Landes Brandenburg. Um nicht zwischen die Fronten zu geraten, floh die Kienitzer Bevölkerung über den gefrorenen Fluss in Richtung Osten. Im Laufe der nächsten Wochen baute die Rote Armee den Brückenkopf aus, um eine Großoffensive auf die Reichshauptstadt Berlin zu starten. Die Kämpfe um Kienitz und das Küstriner Vorland dauerten Wochen, mehr als 80% des Dorfes wurden zerstört. Zehntausende Soldaten starben auf beiden Seiten bei den Kämpfen im Oderbruch. Heute erinnert ein sowjetischer Panzer in Kienitz an die Opfer des Zweiten Weltkrieges.

Die Letschiner Heimatstuben haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an die Opfer des vom Nationalsozialismus initiierten Eroberungs- und Vernichtungskrieges wachzuhalten. 75 Jahre nach der Eröffnung des ersten sowjetischen Brückenkopfes westlich der Oder luden die Initiatoren zur Besichtigung des historischen Ortes und zu Gesprächen mit Zeitzeugen ein. Der Militärhistoriker Gerd-Ulrich Herrmann berichtete im Anschluss von der Tragweite des Kienitzer Brückenkopfes, den Kämpfen und den Folgen des Zweiten Weltkrieges im Oderbruch.

Termin 8. Februar 2020, 14 Uhr
Ort Gasthof zum Hafen, Deichweg 20, 15324 Letschin OT Kienitz

Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück lädt am 27. Januar 2020, 11 Uhr,
zu einer gemeinschaftlichen Lesung in Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus ein.

Zeichnung von Violette Lecoq: “Das Krematorium, vom Lager aus gesehen. Es brannte in der Nacht und qualmte Tag und Nacht. Die Flammen waren von einem ganz besonderen Rot. Als sie diesen Qualm sahen, sagten einige Polinnen: ‘Das sind die Seelen, die in den Himmel entkommen.'”

Unter dem Titel »’Bald sollte das Frauenlager Ravensbrück zweiunddreißig Wohnbaracken und drei Lagerstraßen umfassen’: Die Lagererweiterung 1940-45 im Spiegel von Quellen und Selbstzeugnissen« erinnert die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück an die Opfer des Nationalsozialismus. Als größtes Frauenkonzentrationslager im Deutschen Reich nahm Ravensbrück eine zentrale Rolle im System der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager ein. Zwischen 1939 und 1945 wurden etwa 120.000 Frauen und Kinder, ca. 20.000 Männer und 1.200 weibliche Jugendliche nach Ravensbrück deportiert. Unter ihnen waren Frauen aus nahezu allen Ländern Europas, Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma. Zehntausende wurden ermordet, starben an Hunger, Krankheiten oder durch medizinische Experimente. Die Baracken an den Lagerstraßen reichten bald nicht mehr aus, weshalb die SS im August 1944 ein Zelt errichten ließ. Dieses Zelt entwickelte sich bald zu einem zentralen Ort des Massensterbens.

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Anfang 1945 richtete die SS im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück in einer Baracke neben dem Krematorium eine provisorische Gaskammer ein. Hier ließ die SS im Zeitraum von Ende Januar bis April 1945 ca. 5.000 bis 6.000 Häftlinge vergasen. Unter ihnen befanden sich etwa 100 Häftlinge aus dem Männerlager.

Anlässlich des 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog ins Leben gerufenen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus werden in der Mahn- und Gedenkstätte Passagen aus ausgewählten lagerzeitlichen Quellen sowie aus Selbstzeugnissen von Überlebenden des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück vorgetragen. Jedes Jahr lädt die Gedenkstätte unter jeweils verschiedenen thematischen Schwerpunkten zu interaktiven Lesungen ein.

Wenn Sie mitlesen möchten, melden Sie sich bitte bis zum 20. Januar 2020 unter paedagogik@ravensbrueck.de an. Ihnen wird dann das Skript der Lesung zugesendet.