Drushba!

8. Juni 3. Oktober

Das Bild zeigt einen Arbeiter, der große Rohre zusammenschweißt. Im Hintergrund sind riesige Rohrleitungen zu erkennen.

Der Ausbau der Erdgasleitung Nord Stream 2 in der Ostsee ist heute ein brisantes geopolitisches Thema. Es geht um die Vorherrschaft auf dem europäischen Energiemarkt: wer liefert den kostbaren, kapitalträchtigen Rohstoff Erdgas nach Zentral- und Westeuropa – die USA oder Russland? Hier treffen bereits seit Jahrzehnten wirtschaftliche und nationale Interessen aufeinander. Der Ausbau der „Drushba“-Trasse (russ. Дружба; dt. Freundschaft) von den 1970er bis in die 1990er Jahre war das Vorzeige-Projekt der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im Ausland. Tausende Arbeiter*innen und Ingenieur*innen waren über Jahre entlang der Trasse im Einsatz. Dafür sicherte sich die DDR Erdgas und Erdöl aus Sibirien. Die „Trasse der Freundschaft“ war somit von Beginn an ein Unternehmen mit Abhängigkeiten, die bis heute wirken.

Industrie- und Kunstproduktion gehörten in der DDR eng zusammen. Entsprechend wurde das „Jahrhundertprojekt“ von einer groß angelegten Kulturkampagne begleitet. Die DDR brachte Künstler*innen an die Trasse, um dort die „Trasniks“ zu unterhalten. Vor Ort entstanden künstlerische Arbeiten, die in Wanderausstellungen entlang der Trasse sowie in der DDR gezeigt wurden. Schließlich wurde der Bau in Publikationen und zahlreichen Reportagen im DDR-Fernsehen inszeniert.

Das Kunstarchiv Beeskow verfügt über eine größere Anzahl von Gemälden, Grafiken, Fotografien und Zeichnungen, die im Kontext der Trasse entstanden sind. Die Ausstellung widmet sich der Verknüpfung von Kultur- und Wirtschaftspolitik. Sie untersucht, welches Image für die Öffentlichkeit konstruiert wurde und welche Rolle die Kunst dabei spielte. Neben den Werken aus dem Beeskower Bestand werden Arbeiten aus der Kunstsammlung des 1970 gegründeten Petrolchemischen Kombinates (PCK) Schwedt gezeigt. Die Geschichte dieser Sammlung ist eng an den Bau der ersten Erdölpipeline in der DDR sowie die dazu gehörende Chemieanlage an deren Endpunkt in Schwedt gekoppelt.

Laufzeit 8. Juni bis 3. Oktober 2021
Ort Ehemalige Selbstbedienungskaufhalle Eisenhüttenstadt
Saarlouiser Straße, 15890 Eisenhüttenstadt

Kunstarchiv Beeskow
Mail info@kunstarchiv-beeskow.de
Web www.kunstarchiv-beeskow.de
Instagram kunst.alltagskultur.ddr

Bildquelle Erlebnis Trasse, 1984, Foto: © Armin Herrmann

Eisenhüttenstadt

Ehemalige Selbstbedienungskaufhalle, Saarlouiser Straße
Eisenhüttenstadt, 15890 Deutschland
Google Karte anzeigen

Öffnung der Ausstellung “Drushba!”

6. Juni , 14:00

Der Ausbau der Erdgasleitung Nord Stream 2 in der Ostsee ist heute ein brisantes geopolitisches Thema. Es geht um die Vorherrschaft auf dem europäischen Energiemarkt: wer liefert den kostbaren, kapitalträchtigen Rohstoff Erdgas nach Zentral- und Westeuropa – die USA oder Russland? Hier treffen bereits seit Jahrzehnten wirtschaftliche und nationale Interessen aufeinander. Der Ausbau der „Drushba“-Trasse (russ. Дружба; dt. Freundschaft) von den 1970er bis in die 1990er Jahre war das Vorzeige-Projekt der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im Ausland. Tausende Arbeiter*innen und Ingenieur*innen waren über Jahre entlang der Trasse im Einsatz. Dafür sicherte sich die DDR Erdgas und Erdöl aus Sibirien. Die „Trasse der Freundschaft“ war somit von Beginn an ein Unternehmen mit Abhängigkeiten, die bis heute wirken.

Industrie- und Kunstproduktion gehörten in der DDR eng zusammen. Entsprechend wurde das „Jahrhundertprojekt“ von einer groß angelegten Kulturkampagne begleitet. Die DDR brachte Künstler*innen an die Trasse, um dort die „Trasniks“ zu unterhalten. Vor Ort entstanden künstlerische Arbeiten, die in Wanderausstellungen entlang der Trasse sowie in der DDR gezeigt wurden. Schließlich wurde der Bau in Publikationen und zahlreichen Reportagen im DDR-Fernsehen inszeniert.

Das Kunstarchiv Beeskow verfügt über eine größere Anzahl von Gemälden, Grafiken, Fotografien und Zeichnungen, die im Kontext der Trasse entstanden sind. Die Ausstellung widmet sich der Verknüpfung von Kultur- und Wirtschaftspolitik. Sie untersucht, welches Image für die Öffentlichkeit konstruiert wurde und welche Rolle die Kunst dabei spielte. Neben den Werken aus dem Beeskower Bestand werden Arbeiten aus der Kunstsammlung des 1970 gegründeten Petrolchemischen Kombinates (PCK) Schwedt gezeigt. Die Geschichte dieser Sammlung ist eng an den Bau der ersten Erdölpipeline in der DDR sowie die dazu gehörende Chemieanlage an deren Endpunkt in Schwedt gekoppelt.

Eröffnung 6. Juni 2021, 11-17 Uhr
Laufzeit 8. Juni bis 3. Oktober 2021
Eintritt frei
Ort Projektraum Selbstbedienungskaufhalle Eisenhüttenstadt
Saarlouiser Straße 60a, 15890 Eisenhüttenstadt

Museum Utopie und Alltag
Alltagskultur und Kunst aus der DDR
Mail museum@utopieundalltag.de
Web www.utopieundalltag.de
Instagram museum.utopie.und.alltag

Bildquelle Erlebnis Trasse, 1984, Foto: © Armin Herrmann

Eisenhüttenstadt

Ehemalige Selbstbedienungskaufhalle, Saarlouiser Straße
Eisenhüttenstadt, 15890 Deutschland
Google Karte anzeigen

Дружба!

Eine neue Ausstellung in Eisenhüttenstadt blickt auf die Kulturkampagne zum Bau der “Drushba”-Trasse in der DDR

schwarz-weiß Bild, Feld mit Spuren von LKW-Reifen, im Hintergrund transportiert ein LKW große Rohrleitungen

Das Museum Utopie und Alltag blickt mit einer neuen Ausstellung auf das Jahrhundertprojekt “Drushba”-Trasse und die Kulturkampagne, die den Bau der Erdgasleitungen begleitete. Ab dem 6. Juni 2021 werden im neu eröffneten Projektraum Selbstbedienungshalle Eisenhüttenstadt Kunstwerke aus dem Bestand des Beeskower Kunstarchivs sowie Leihgaben aus Schwedt und Halle gezeigt.

Mehr erfahren »

Bereits seit Jahrzehnten wird um die Vorherrschaft auf dem europäischen Energiemarkt gerungen. Der Bau der “Drushba”-Trasse (russ. Дружба; dt. Freundschaft) in den 1970er Jahren und die Beteiligung an weiteren Ausbaustufen der Erdgasleitung im Osten bis in die 1990er Jahre waren das Vorzeigeprojekt der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im Ausland. Tausende Arbeiter:innen waren über Jahre entlang der Trasse im Einsatz, dafür bekam die DDR Erdgas aus der Sowjetunion.

Das “Jahrhunderprojekt” wurde von einer großangelegten Kulturkampagne begleitet. Die DDR brachte Künstler:innen und Kulturschaffende an die Trasse, um die sogenannten “Trasniks” zu unterhalten. Es wurden Konzerte veranstaltet, Kinofilme vorgeführt, vor Ort entstanden künstlerische Arbeiten, die in Wanderausstellungen entlang der Trasse sowie in der DDR präsentiert wurden. Arbeit und Leben der “Trasniks” wurden in zahlreichen Publikationen und Reportagen im Fernsehen und illustrierten Magazinen inszeniert.

Die Ausstellung widmet sich der Verknüpfung von Kultur- und Wirtschaftspolitik, untersucht, welches Image für die Öffentlichkeit konstruiert wurde und welche Rolle die Kunst dabei spielte. Das Beeskower Kunstarchiv verfügt über eine größere Anzahl von Gemälden, Grafiken, Fotografien und Zeichnungen, die im Kontext der Trasse entstanden und in einer Auswahl in der Ausstellung zu sehen sind. Hinzu kommen Leihgaben aus Halle und Schwedt.

Die Ausstellung zeigt Werke von Ulrich Burchert, Karl Groß, Annegret Hartmann, Mechthild Hempel, Rainer Herold, Armin Herrmann, Martin Hoffmann, Jürgen Hohmuth, Thomas Kläber, Wolfgang Liebert, Günter Neubauer, Arnold Pemmann, Rolf Pöttrich, Ingrid Rulff, Emil Schittenhelm, Ursula Strozynski, Eva-Maria Viebeg und Norbert Wagenbrett.

Дружба! Die Kulturkampagne zum Aufbau der Erdgasleitungen

Laufzeit 6. Juni – 3. Oktober 2021
Öffnungszeiten Di – So 11-17 Uhr

Bitte beachten Sie die aktuell geltenden und Pandemiebedingten Zugangsbestimmungen. Derzeit ist der Eintritt nur nach vorheriger Anmeldung und Terminvereinbarung unter der Telefonnummer 03364 417 355 möglich.

Ort Projektraum Selbstbedienungskaufhalle
Saarlouiser Straße 60a, 15890 Eisenhüttenstadt

Telefon 03364 417 355
Mail museum@alltagundutopie.de
Web www.utopieundalltag.de
Instagram museum.utopie.und.alltag

Bildquelle

Armin Herrmann: o.T. (Erlebnis Trasse), 1983-84, Fotoabzug auf Baryt-Papier © Armin Herrmann

Im Schatten der Erinnerung

Tagung in Eisenhüttenstadt

Das Bild zeigt einen Platz, umrandet von Bäumen und Hecken. Auf der anderen des Platzes steht ein Denkmal in Form eines Obelisken. Auf der Spitze des Obelisk ist ein roter Stern angebracht.

Am 11. September 2020 erinnert das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eissenhüttenstadt an die in deutschem Gewahrsam umgekommenen sowjetischen Kriegsgefangenen.

Zwischen 1941 und 1945 kamen etwa drei Millionen Rotarmisten in deutscher Kriegsgefangenschaft durch systematisches Aushungern, Zwangsarbeit und Massenmord ums Leben. Sowjetische Kriegsgefangene waren nach den europäischen Juden die zweitgrößte Opfergruppe der NS-Vernichtungspolitik. Gleichwohl wurde in der Zeit des Kalten Krieges in Ost wie West nur sehr selten an ihr Schicksal erinnert.

Mehr erfahren »

Die Geschichtspolitik der Sowjetunion und der DDR propagierte ausschließlich das ruhmreiche Bild der heldenhaften Sieger des „Großen Vaterländischen Krieges“. Kriegsgefangene Rotarmisten – ob tot oder lebendig – galten in der stalinistischen Sowjetunion als schändliche und feige „Landesverräter“. Wer überlebte, wurde nach Rückkehr in die Heimat entsprechend abgeurteilt, in den Gulag deportiert und damit aus der Erinnerung gelöscht. In der Bundesrepublik Deutschland wiederum galt die Sowjetunion als feindliche Macht und der Bolschewismus als fortbestehende Bedrohung der westlichen Welt. Ein Gedenken an sowjetische Opfer war deshalb unerwünscht, wie über die Verbrechen der Wehrmacht insgesamt lange geschwiegen wurde. Erst zum Ende der 1980er Jahre öffneten sich die ritualisierten Gedenkkulturen in Ost wie West. Dank zivilgesellschaftlicher Initiativen gibt es inzwischen vielerorts konkrete und lebendige Formen des Erinnerns.

Die Tagung diskutiert mit namhaften Historiker*innen die Frage, wie heute in Eisenhüttenstadt der sowjetischen Kriegsgefangenen würdig gedacht werden kann. Hier ruhen am Platz des Gedenkens die sterblichen Überreste von etwa 4.100 Rotarmisten, die im nur zwei Kilometer entfernten Kriegsgefangenenlager STALAG III B ums Leben gekommen waren. Die Toten waren 1951 anonym beigesetzt worden. Zukünftig sollen ihre Namen auf Erinnerungstafeln genannt werden.

Im Schatten der Erinnerung

Termin 11. September 2020, 10 bis 17 Uhr
Ort der Tagung Rathaus Eisenhüttenstadt, Saal der Stadtverordnetenversammlung
Zentraler Platz 1, 15890 Eisenhüttenstadt

Download des ausführlichen Tagungsprogramms

Die Tagung wird vom Dokumentationszentraum Alltagskultur der DDR organisiert und ist eine Begleitveranstaltung zur Ausstellung „Kunst der Erinnerung. Krieg, Befreiung, Freundschaft in Bildern aus dem Kunstarchiv Beeskow“, die noch bis zum 20. September 2020 im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR (Erich-Weinert-Allee 3, 15890 Eisenhüttenstadt) gezeigt wird.

Wegen des begrenzten Platzangebots ist die Teilnahme ausschließlich für angemeldete Gäste möglich.

Telefon 03364 417 355
Mail info@alltagskultur-ddr.de
Web www.alltagskultur-ddr.de

Bildunterschrift Platz des Gedenkens, ehemaliger Platz der deutsch-sowjetischen Freundschaft in Eisenhüttenstadt, 2019, Foto: © Peter Kaminsky (Wikimedia Commons)

Kunst der Erinnerung

Ausstellung des Kunstarchivs Beeskow im Dokumentationszentrum für Alltagskultur der DDR

Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus zeigte das Kunstarchiv Beeskow eine Auswahl von Gemälden und Grafiken im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt.

Mehr erfahren »

Das Kunstarchiv Beeskow bewahrt 17.000 Werke der Bildenden Künste aus 40 Jahren DDR-Geschichte auf. Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus hatten die Mitarbeiter*innen einen Blick tief in ihr Archiv geworfen und sich gefragt, wie die Themen Zweiter Weltkrieg, Befreiung vom Nationalsozialismus und Freundschaft zur Sowjetunion in der Bildenden Kunst verarbeitet wurden. Dabei war eine Ausstellung entstanden, die im Themenjahr 2020 im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt gezeigt wurde.

Die Kunstwerke befassten sich mit den Themen “Krieg, Befreiung, Freundschaft”. Diese drei Themen besaßen zentrale Bedeutung für das künstlerische Schaffen in der DDR. Massenorganisationen als wichtige Auftraggeber, etwa die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft oder der Verband Bildender Künstler (VBK), setzten sie immer wieder auf die Agenda. 

Der damit einhergehenden inhaltlichen Kanonisierung und Festlegung auf ein motivisches Repertoire folgte spätestens Ende der 1970er-Jahre ein Aufbruch zu neuen Formen und Sujets. Bis dahin in der Kunst tabuisierte Themen wie der Völkermord an den europäischen Juden wurden nun tastend aufgegriffen, und formelhafte Bekenntnisse wie jenes der »Freundschaft zur Sowjetunion« wurden vorsichtig hinterfragt. Im Zentrum der Ausstellung stehen Arbeiten, die sich jenseits enger ideologischer Leitbilder einer kritischen Perspektive auf die deutsche Geschichte verpflichtet fühlten und deshalb noch heute zur Reflexion anregen.

Kunst der Erinnerung. Krieg, Befreiung, Freundschaft in Bildern aus dem Kunstarchiv Beeskow

Laufzeit 12. Mai bis 20. September 2020 
Eintritt bis zum 24. Juni 2020: frei, danach 4 €, erm. 2 € 
Öffnungszeiten Di–So 10–18 Uhr 
Ort Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR
Erich-Weinert-Allee 3, 15890 Eisenhüttenstadt

Telefon 03364 417 355 
E-Mail info@alltagskultur-ddr.de 
Web www.alltagskultur-ddr.de