Lebenskunst Themenjahr 2022

Bild zeigt einen Obstbaum mit grünen Blättern und gelbgrünen Früchten, wahrscheinlich Quitten. Der Obstbaum steht in der Nähe eines Backsteingebäudes mit einem großen Rundbogen.

Aufruf zur Beteiligung

Kulturland Brandenburg widmet sich im Themenjahr 2022 unter dem vorläufigen Titel „Lebenskunst“ dem Leben und vor allem der Tafelkultur in Brandenburg. „Lebensart“, ist das die Art und Weise oder vielleicht doch die Kunst zu leben? Was ist das für ein Land und welche Voraussetzungen bringt es mit, damit einem die Kunst gelingt, hier gut oder sinnvoll zu leben? Lohnt ein Blick in die Geschichte, um diese Fragen zu klären? Was bietet die Natur dem Menschen, um hier glücklich zu leben?

Im Themenjahr Kulturland Brandenburg 2022 wird es um Essen und Trinken, Tafelfreuden, Ernährung und Landwirtschaft, regionale Produkte, Versorgung der Bevölkerung und vielem mehr gehen. Die Landesgartenschau in Beelitz ist gleichzeitig Anlass für das Thema und Kooperationspartnerin zugleich.

Wie auch in den vorangegangenen Jahren ruft Kulturland Brandenburg gemeinnützige oder kommunale Träger:innen auf, sich am Themenjahr zu beteiligen. Gemeinsam soll das Thema aus der Perspektive aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen und Herausforderungen betrachtet werden. Stichworte sind hier u.a. Klimawandel, Nachhaltigkeit, Perspektiven ökologischer Landwirtschaft, gesunde Ernährung, Sicherung der Versorgung, Lieferketten.

Bis zum 30. Juni 2021 können Projektideen per Mail unter klb2022@gesellschaft-kultur-geschichte.de eingereicht werden. Den ausführlichen Ausschreibungstext können Sie unter dem folgenden Link herunterladen:

Bei Fragen zum Bewerbungsverfahren oder zur inhaltlichen Ausrichtung können Sie sich jederzeit auch telefonisch an Brigitte Faber-Schmidt ( Tel. 0163 550 14 02) oder an Christian Müller-Lorenz (Tel. 0151 610 604 96) wenden.

Thematischer Aufriss

Das Themenjahr wird der lebenswichtigen Frage nachspüren, wie sich die Menschen in diesem Land im Laufe der Jahrhunderte mit Nahrung versorgen konnten, was ihnen die natürlichen Ressourcen des Landes bieten konnten und was trotz vieler historischer Umbrüche menschlicher Fleiß, Wissen und kluge Innovationen hier bis heute erreicht haben. Den ersten Siedler:innen hat die Natur in Brandenburg den Tisch reich gedeckt mit Fischen aus den Flüssen und den vielen Seen, mit Wild aus den Wäldern, einem großen Angebot an Wildvögeln, mit Pilzen, Beeren und Kräutern. Vieles von diesen Angeboten der Natur ist noch heute verfügbar.

Seit 1990 bemüht sich in Brandenburg ein Netzwerk von Landwirten und Gärtnern, das Land wenigstens in Teilen mit ökologischer Landwirtschaft zu bestellen. Verstärkt widmet man sich nun auch dem Erhalt alter Kulturpflanzen. Für die Agrargeschichte von Brandenburg könnte ein Blick auf die Berliner „Grüne Woche“ interessant sein, die 1928 erstmals stattfand. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand sie 1950 in Berlin und Potsdam statt und 1961, nach dem Bau der Berliner Mauer, nur noch in West-Berlin. 1991 wurde dann die erste gemeinsame Grüne Woche nach der Wiedervereinigung durchgeführt.

Die Landwirtschaft steht heute angesichts vielfältiger globaler Probleme wie Klimawandel, Ressourcenverknappung, Bodendegradation, Umweltverschmutzung und Rückgang von Artenvielfalt vor gewaltigen Herausforderungen. An den Universitäten und Hochschulen des Landes Brandenburg und den dort angegliederten Forschungseinrichtungen, wie etwa den Leibniz-Instituten oder dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung, beschäftigen sich heute zahlreiche Forschungsprojekte mit Themen innovativer Landwirtschaft und Fragen gesunder und nachhaltiger Ernährung. Die Wissenschaftler arbeiten daran, diese Bereiche zukunftsfähig zu machen und die notwendigen Transformationen wissenschaftlich zu begleiten. Im Mittelpunkt stehen dabei oft Fragen nach einer nachhaltigeren und vielfältigeren landwirtschaftlichen Produktion. Wie können Landwirte mit weniger Dünger und umweltschädlichen Pflanzenschutzmitteln ressourcenschonend und weniger klimaschädlich produzieren, wie können sie zu mehr Biodiversität und Artenschutz beitragen? Zugleich geht es aber auch darum zu sichern, wie in Zukunft eine ausreichende und gesunde Ernährung erreicht werden kann. Dazu entwickeln Forschungsinstitutionen neue Ideen und Ansätze für eine dezentrale und individuelle Produktion von Nahrungsmitteln, so etwa die Möglichkeiten der Lebensmittelerzeugung auf Hausdächern in den Städten, auf urbanen Freiflächen oder in urbanen Waldgärten. Geforscht wird zudem nach alternativen Nahrungsquellen und gesundheitsfördernden Lebensmitteln.

In Brandenburg war und ist die Landwirtschaft immer ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor gewesen. Heute ist Brandenburg eines der führenden Bundesländer beim ökologischen Anbau. Biodiversität? – In Brandenburg kann man sie erleben. Alte Gemüse- und Obstsorten werden, meist in arbeitsintensiver biologischer Landarbeit, wieder angebaut. Diese Mühen werden oft übersehen, wenn von den „Freuden des Landlebens“ berichtet wird.

Sie sorgen zwischen Nationalisierung und Globalisierung der Märkte für ein entsprechendes Wiedererstehen regionaler Identität. Erwerben kann man diese Produkte des Landes auf den Wochenmärkten und in spezialisierten Läden in den Städten Brandenburgs und in Berlin, einem traditionell wichtigen Absatzmarkt für brandenburgische Produkte. Der Austausch zwischen der urbanen Bevölkerung und den ländlichen Regionen funktioniert durch das zunehmende Interesse an authentischen und frischen Produkten ganz ausgezeichnet. Die Lebenskunst oder Lebensart hat hier viele Möglichkeiten, sich zu verwirklichen. Heute widmen sich beispielweise mehr als 800 Betriebe im Land Brandenburg dem ökologischen Anbau und der artgerechten Aufzucht der Tiere. Und im Obstbau beispielsweise wird an das Wissen und das Engagement des 18. und 19. Jahrhunderts in Brandenburg angeknüpft.

Bildquelle

Quittenbaum auf dem Potsdamer Ruinenberg, Foto: Nadine Redlich