Altranft zwischen Krieg und Frieden

Installation im Oderbruch Museum Altranft

Das Oderbruch Museum Altranft präsentierte zum Themenjahr 2020 gleich zwei Projekte: “Putin in Altranft”, eine Ausstellung im Schlosspark Altranft mit Zeichnungen von Johanna Benz auf der Grundlage von Erinnerungen aus Altranft, sowie “Ein Tuch der Heimaten”, eine Rauminstallation von Antje Scholz und Julius Breitenfeld in der Patronatskirche Altranft.

Mehr erfahren »

Putin in Altranft

Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen haben sich in die Landschaft des Oderbruchs und auch in das Dorf Altranft eingeschrieben: Flucht, Vertreibung, Heimatsuche, Wiederaufbau unter kommunistischen Vorzeichen, die Kollektivierung der Landwirtschaft oder die Anwesenheit der Sowjetarmee. Unter dem Stichwort “Putin in Altranft” führte die Leipziger Künstlerin Johanna Benz Gespräche mit den Bürger*innen und zeichnete ein Wandbild, das den Einfluss der Sowjetischen Streitkräfte im Dorf bis zu ihrem Abzug 1994 thematisiert. So behauptete ein Altranfter, dass in den 1970er Jahren sogar einmal Wladimir Putin über den Dorfanger gelaufen sei. Ein anderer berichtete, wie er mit Traktoren und Mähdreschern einen Ackerschlag gegen russische Armeefahrzeuge verteidigen musste. Geschichten wie diese gibt es noch viele in Altranft. Das Wandbild präsentiert diese Geschichten und andere Ereignisse als eine Bildgeschichte im Altranfter Schlosspark.

Ein Tuch der Heimaten

In der Altranfter Patronatskirche schwebte über den Köpfen der Besucher*innen ein großes Tuch, genäht aus einzelnen Taschentüchern. Verwoben mit Text und Ton bildete sich um dieses Tuch ein besonderer Raum. Die Installation “Ein Tuch der Heimaten” von Antje Scholz und Julius Breitenfeld fragte, was Heimat und der Verlust dieser Heimat bedeuten. Gut 200 Jahre nachdem Menschen auf Werben des Preußenkönigs Friedrich II. mit Sack und Pack ins Oderbruch gezogen waren, um hier heimisch zu werden, endete 1945 der Zweite Weltkrieg. Viele Menschen flüchteten vor der Roten Armee oder wurden aus ihrer heimatlichen Landschaft vertrieben. Gleichzeitig gelangten viele ins Oderbruch, nicht wenige von ihnen wurden hier wieder heimisch. Aber darüber, was dieses Wieder-Heimisch-Werden ihnen abverlangt hatte, liegt ein Tuch des Schweigens. 2011 brach in Syrien der Bürgerkrieg aus und zwang Millionen Menschen zur Flucht. Schutzsuchende kamen es auch dieses Mal ins Oderbruch. Erneut standen Menschen vor der Frage, ob sie hier heimisch werden können.

Altranft zwischen Krieg und Frieden

Laufzeit 2. August — 20. September 2020
Eintritt im Rahmen des Museumsbesuchs 8 Euro, erm. 5 Euro
Öffnungszeiten Do — So 11 — 17 Uhr
Jeden ersten Samstag im Monat ist der Eintritt frei.
Ort Oderbruch Museum Altranft
Am Anger 27, 16529 Bad Freienwalde OT Altranft

Telefon 03344 333 911
E-Mail info@oderbruchmuseum.de
Web www.oderbruchmuseum.de

Kulturland Brandenburg 2020 in den historischen Stadtkernen

Stadtraumausstellung der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen

Von Altlandsberg über Bad Belzig bis nach Wusterhausen/Dosse – auch im Themenjahr 2020 beteiligte sich die Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg am Themenjahr.

Mehr erfahren »

Das Jahresthema der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg lautet 2020: “Zerstört – Erhalten – Gerettet: Lebenswerte Altstädte”

Sechs der 31 Mitgliedsstädte beteiligten sich mit Ausstellungen im öffentlichen Stadtraum oder mit individuellen Hörführungen zu ihrer jeweiligen Geschichte der Stadtentwicklung nach 1945. Sie thematisierten die Brüche und Umbrüche, den Bedeutungswandel ihrer Stadtzentren, die Schwierigkeiten bei der Erhaltung von Baudenkmälern in der DDR-Zeit aber auch die Bedeutung der Friedlichen Revolution in den historischen Stadtkernen in Brandenburg.

Am Jahresthema 2020 beteiligten sich die historischen Stadtkerne von Altlandsberg, Bad Belzig, Brandenburg an der Havel, Beeskow, Doberlug-Kirchhain und Wusterhausen/Dosse.

Die Waldlager der Roten Armee

Ausstellung im Kornspeicher Neumühle

Die Ausstellung “Zwischen Krieg und Frieden. Die Waldlager der Roten Armee” lief 2020 im Kornspeicher Neumühle.

Mehr erfahren »

Mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entdeckten Archäologen in Brandenburgs Wäldern bislang unbekannte Hinterlassenschaften aus der Zeit unmittelbar nach dem Kampf um Berlin. Vielerorts kann man beim Waldspaziergang noch heute rechteckige Gruben entdecken, die militärisch exakt entlang der Waldwege aufgereiht waren. Diese Eingrabungen waren Reste von Blockhäusern. In und bei diesen Unterständen lagen materielle Reste des Alltags der Soldaten der Roten Armee: militärische Ausrüstung, sowjetische und deutsche Abzeichen, Essgeschirre und anderes Zubehör. Die Gegenstände tragen teilweise kyrillische Inschriften, es wurden auch Propaganda-Parolen und Kennmarken von Rotarmisten aus der Gefangenschaft gefunden. Die eindringlichen Zeugnisse schildern die Verhältnisse im besetzten Brandenburg. Im Frühjahr und Sommer 2020 zog die Ausstellung zahlreiche interessierte Besucher*innen an.

“Zwischen Krieg und Frieden. Die Waldlager der Roten Armee in Brandenburg 1945”

Eintritt frei
Öffnungszeiten täglich 10-18 Uhr
Ort Kornspeicher Neumühle, Neumühle 3, 16827 Neuruppin OT Alt Ruppin
Web www.kornspeicherneumuehle.de

Neues Kinderbuchmuseum im Havelland eröffnet

Ausstellung in Kleßen

2020 hat im havelländischen Kleßen ein neues Kinderbuchmuseum eröffnet. Eine erste Sonderausstellung widmete sich dem Thema “KRIEG und FRIEDEN” aus der Perspektive des Kinderbuchs.

Mehr erfahren »

Das Themenjahr Kulturland Brandenburg 2020 war für die Familie Thiedig Anlass gleich zwei lang gehegte Ziele zu verwirklichen. Zum Einen realisierte der Sammler eine neue Sonderausstellung, die die Kinderbuch-Literatur der unmittelbaren Nachkriegszeit beleuchtet hat, und zum Anderen konnte mit dem Themenjahr Kulturland Brandenburg 2020 der lange gehegte Plan, ein Kinderbuchmuseum in Kleßen zu verwirklichen, umgesetzt werden. Somit gibt es im Havelland neben dem Spielzeugmuseum und dem Schloss Kleßen einen weiteren Anziehungspunkt, den es zu besuchen lohnt.

Nach 1945 stand Konventionelles nicht nur bei der Kinder- und Jugendliteratur hoch im Kurs. Kindern sollte eine “heile Welt” gezeigt werden. Formale und inhaltliche Sonderfälle, wie sie in West-Berlin der Verleger Arthur Felguth oder der Ost-Berliner Kinderbuchverlag boten, waren rar gesät. Erst gegen Ende der 1950er Jahre hielten lange verdrängte Inhalte wie das Alltagsleben und die gesellschaftspolitische Situation verstärkt Einzug in die Kinderliteratur. Otfried Preußler und James Krüss gelang schließlich mit phantastischen Erzählungen der Durchbruch zur Kritik an der Gegenwart. Sie setzten auf die Kraft der Phantasie. 

Die Ausstellung konnte nur durch die Hilfe vieler Zeitzeug*innen realisiert werden. Sie gaben den Besucher*innen einen Einblick in den Kinderalltag der heutigen Eltern- und Großelterngeneration. 

Wie im Bilderbuch? Die Nachkriegszeit im Kinderbuch 

Laufzeit 8. Juli bis 31. Dezember 2020 
Eintritt 5 Euro, erm. 2 Euro 
Öffnungszeiten Mi–So 11–17 Uhr 
Ort Kinderbuchmuseum im Havelland, Schulweg 2, 14728 Kleßen-Görne

Telefon 033235-1536
Mail kontakt@kinderbuchmuseum-havelland.de
Web www.kinderbuchmuseum-havelland.de 

Zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, 5. Juli, um 14 Uhr, sprechen: 

Begrüßung 
Hans-Jürgen Thiedig, Gründer des Kinderbuch- und Spielzeugmuseums im Havelland und Sammler 

Grußwort 
Dr. Manja Schüle, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Literatur des Landes Brandenburg
Brigitte Faber-Schmidt, Geschäftsführerin der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH, Kulturland Brandenburg 

Im Anschluss führt die Kuratorin Birgit Jochens die Gäste durch die Ausstellung. 

Kunst der Erinnerung

Ausstellung des Kunstarchivs Beeskow im Dokumentationszentrum für Alltagskultur der DDR

Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus zeigte das Kunstarchiv Beeskow eine Auswahl von Gemälden und Grafiken im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt.

Mehr erfahren »

Das Kunstarchiv Beeskow bewahrt 17.000 Werke der Bildenden Künste aus 40 Jahren DDR-Geschichte auf. Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus hatten die Mitarbeiter*innen einen Blick tief in ihr Archiv geworfen und sich gefragt, wie die Themen Zweiter Weltkrieg, Befreiung vom Nationalsozialismus und Freundschaft zur Sowjetunion in der Bildenden Kunst verarbeitet wurden. Dabei war eine Ausstellung entstanden, die im Themenjahr 2020 im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt gezeigt wurde.

Die Kunstwerke befassten sich mit den Themen “Krieg, Befreiung, Freundschaft”. Diese drei Themen besaßen zentrale Bedeutung für das künstlerische Schaffen in der DDR. Massenorganisationen als wichtige Auftraggeber, etwa die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft oder der Verband Bildender Künstler (VBK), setzten sie immer wieder auf die Agenda. 

Der damit einhergehenden inhaltlichen Kanonisierung und Festlegung auf ein motivisches Repertoire folgte spätestens Ende der 1970er-Jahre ein Aufbruch zu neuen Formen und Sujets. Bis dahin in der Kunst tabuisierte Themen wie der Völkermord an den europäischen Juden wurden nun tastend aufgegriffen, und formelhafte Bekenntnisse wie jenes der »Freundschaft zur Sowjetunion« wurden vorsichtig hinterfragt. Im Zentrum der Ausstellung stehen Arbeiten, die sich jenseits enger ideologischer Leitbilder einer kritischen Perspektive auf die deutsche Geschichte verpflichtet fühlten und deshalb noch heute zur Reflexion anregen.

Kunst der Erinnerung. Krieg, Befreiung, Freundschaft in Bildern aus dem Kunstarchiv Beeskow

Laufzeit 12. Mai bis 20. September 2020 
Eintritt bis zum 24. Juni 2020: frei, danach 4 €, erm. 2 € 
Öffnungszeiten Di–So 10–18 Uhr 
Ort Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR
Erich-Weinert-Allee 3, 15890 Eisenhüttenstadt

Telefon 03364 417 355 
E-Mail info@alltagskultur-ddr.de 
Web www.alltagskultur-ddr.de 

In Trümmern – Prenzlau 1945

Ausstellung im Dominikanerkloster Prenzlau

Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt Prenzlau massiv zerstört. Vieles ging verloren, Gebäude, Kunstschätze und ein großer Teil der kulturellen Identität. Eine Ausstellung im Kulturhistorischen Museum der Stadt widmete sich 2020 den Folgen des Zweiten Weltkrieges in der Stadt. Sie präsentierte die geretteten und wiedergefundenen Schätze der Uckermark und zeigte auch, was verloren ging.

Mehr erfahren »

Ende April 1945 wurde die Stadt Prenzlau, die einstige “Perle der Uckermark”, massiv zerstört. Aus der gewaltigen Schutthalde ragten nur noch die Türme der Kirchenruine empor. Der wichtigste Bestandteil der kulturellen Identität der Stadt, die museale Sammlung, war bedroht. Dennoch gelang es, große Teile der Sammlung zu retten. Es grenzte an ein Wunder. Die Geschichte dieses Wunders begann mit einer waghalsigen Evakuierung im Frühjahr 1945. Sie zog sich über die Jahre des Kalten Krieges hin und endete mit einer deutsch-deutschen Restitution im Jahr 1987.

Das Dominikanerkloster Prenzlau präsentierte 2020 die Ausstellung “In Trümmern. Prenzlau 1945 – gerettet. bewahrt. erinnert”, die das Ausmaß der Zerstörungen in Prenzlau und die langfristigen Folgen für die kulturelle Identität der gesamten Region thematisierte. In Zusammenarbeit mit dem Museumsverband des Landes Brandenburg wurden außerdem wiederentdeckte historische Aufnahmen präsentiert, die den Verlust der Sammlung offenbaren.

Ergänzend erarbeiteten Schüler*innen des Christa-und-Peter-Scherpf-Gymnasiums Prenzlau eine Bild-Ton-Text-Ausstellung, die sich dem Thema “KRIEG und FRIEDEN. 1945 und die Folgen in Brandenburg am Beispiel der uckermärkischen Stadt Prenzlau” widmete.

Ausstellung “In Trümmern. Prenzlau 1945 – gerettet. bewahrt. erinnert”

Laufzeit 21. Juni – 30. Dezember 2020
Eintritt 4 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei
Öffnungszeiten Di – So 10–18 Uhr
Ort Kulturhistorisches Museum im Dominikanerkloster Prenzlau
Uckerwiek 813, 17291 Prenzlau

Telefon 03984/ 752 65
E-Mail museum@dominikanerkloster-prenzlau.de
Web www.dominikanerkloster-prenzlau.de

Ablauf der Eröffnung

Begrüßung
Hendrik Sommer, Bürgermeister der Stadt Prenzlau

Grußworte
Tobias Dünow, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg
Christian Müller-Lorenz, Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH, Kulturland Brandenburg

Einführung in die Ausstellung
Dr. Christian Hirte, Kurator der Ausstellung
Jürgen Theil, Lehrer am Christa-und-Peter-Scherpf-Gymnasium Prenzlau und Leiter des Schülerprojektes

Im Anschluss konnten die Besucher*innen in kleinen Gruppen durch die Ausstellung geführt werden.

Die Eröffnung wurde musikalisch vom Streichquartett des Preußischen Kammerorchesters begleitet.

Bahnhof Europas

Veranstaltungsreihe

Am 2. Juni 2020 startete eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Deutschen Kulturforums östliches Europa, des Museums Viadrina und des Instituts für angewandte Geschichte – Gesellschaft und Wissenschaft im Dialog e.V., die die verschiedenen nationalen Narrative und Perspektiven auf das Jahr 1945 am Beispiel von Frankfurt (Oder) thematisierte.

Mehr erfahren »

Mit fünf Veranstaltungen in Frankfurt (Oder) und Potsdam, in die teilweise Zeitzeugen eingebunden waren, sollte 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Potsdamer Konferenz ein Stück wechselvoller brandenburgischer, aber auch europäischer Geschichte wiederentdeckt werden.

Als Auftakt der Veranstaltungsreihe wurde am Dienstag, dem 2. Juni um 18 Uhr der Vortrag von Prof. Dr. Werner Benecke, Osteuropahistoriker an der Europa Universität-Viadrina in Frankfurt (Oder), gezeigt. Die virtuelle Veranstaltung kann auf dem YouTube-Kanal des Deutschen Kulturforums östliches Europa abgespielt werden. Der Vortrag thematisierte das Jahr 1945 als eine der tiefsten Zäsuren der gesamten Stadtgeschichte von Frankfurt (Oder). In sehr hoher zeitlicher Verdichtung erfuhr die dortige Bevölkerung erst in den letzten Wochen des Krieges tiefe Umbrüche, wie die Evakuierung, die Zerstörung des Stadtzentrums und die Teilung der Stadt entlang der Oder, die zu einer neuen Grenze wurde. Der Vortrag ging zunächst auf die globalen politischen und militärischen Rahmenbedingungen des Jahres 1945 ein. Im Anschluss wurden die Frankfurter Ereignisse bei Kriegsende und die neue Funktion der Stadt als Station auf unzähligen erzwungenen Lebenswegen eingeordnet.

Weitere Termine der Veranstaltungsreihe waren:

28. September 2020, 18 Uhr
“Von Sibirien nach Słubice”, Vortrag und Gespräch

28. Oktober 2020, 18 Uhr
“Die Russen sind da! Frankfurt (Oder) in den ersten beiden Nachkriegsjahren”, Vortrag 

30. Oktober 2020, 18 Uhr
“Europe on the Move. Frankfurt (Oder) 1945”, Podiumsdiskussion

18. November 2020, 17 Uhr
“Bürgermeisterinnen, Ärztinnen, Archivarinnen. Die Frauen in Frankfurt (Oder) 1945 und in den ersten Nachkriegsjahren”, Podiumsdiskussion und Filmvorführung