Themenjahr 2011

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Damals ließ die ’Bioscop’ für meine Filme das erste große Filmatelier in Deutschland erstellen, und zwar in Neu-Babelsberg.“ So beschrieb die Schauspielerin Asta Nielsen den Beginn einer Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält. 1911 wurde mit den Filmstudios Babelsberg der Grundstein für die Entwicklung des neuen Mediums Film, für eine ganze Industrie und für einen Mythos gelegt, der seit 100 Jahren die Menschen fesselt und begeistert.

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Dieses 100jährige Jubiläum gab für Kulturland Brandenburg den Anlass, das Jahr 2011 unter das Motto „LICHT | SPIEL | HAUS – moderne in film. kunst. baukultur“ zu stellen. Dabei steht die Moderne als Oberbegriff und inhaltliche Klammer zwischen den Bereichen. Denn sowohl zeitlich, als auch thematisch wird eine Epoche beleuchtet, die gekennzeichnet ist von gesellschaftlichen und kulturellen Umbrüchen, technischen Verheißungen und neuen künstlerischen Sichtweisen. Das Leitmedium Film stand im Mittelpunkt.

Das Filmland Brandenburg hat einiges zu bieten. Im ganzen Land lockten zahlreiche Originaldrehorte, Geschichte und Geschichten von Stars und Lichtspielhäusern zu cineastischen Erkundungen. Und nicht nur als die „Bilder laufen lernten“ – 1912 kam der erste Film „Totentanz“ mit Asta Nielsen heraus – sondern auch heute noch steht Brandenburg als Drehset mit den berühmten Studios in Hollywood häufig auf Augenhöhe. Immer wieder waren und sind märkische Städte und Regionen Schauplatz für nationale und internationale Film- und Fernsehproduktionen. 1918 drehte Joe May in Woltersdorf/ Rüdersdorf den Klassiker „Das indische Grabmal“. Für den Zweiteiler ließ etwa der Regisseur und Filmproduzent Joe May eine gewaltige Phantasiewelt aus indischen Tempeln und Palästen in den märkischen Sand bauen. Die Filmstadt am Kalksee wurde von tausenden Statisten und den Tieren des Zirkus Sarrasani bevölkert. Auch der Erfolgsregisseur Fritz Lang drehte in dem Ort westlich von Berlin.

Zahlreiche weitere Orte und Regionen in Brandenburg könnten genannt werden: In Nauen und Umgebung entstanden Filme wie „Jakob der Lügner“ oder Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“. Der Spreewald, wo Filme mit Asta Nielsen gedreht wurden und der Filmstar Camilla Horn wohnte, Beelitz Heilstätten, Potsdam oder auch Wittenberge in der Prignitz, wo Regisseur Christian Petzold 2008 „Jerichow“ drehte. Auch Beelitz ist immer wieder Kulisse für Filmaufnahmen: Roman Polanskis „Der Pianist“ zum Beispiel oder „Operation Walkyrie“ mit Tom Cruise. Die Liste ließe sich durchaus noch verlängern.

Am 3. November wurde die neue Dauerausstellung des Filmmuseums Potsdam eröffnet. Marlene Dietrich, Hans Albers, Manfred Krug, Angelica Domröse, Matt Damon, Armin Mueller-Stahl, Anthony Hopkins, Kate Winslet: Sie alle waren hier und bilden ein imaginäres Spalier für 100 Jahre Film in Babelsberg. Die Ausstellung zeigt erlebnisorientiert und unterhaltsam den Vorgang der Filmentstehung. Sieben Themenräumen führen durch den Schaffensprozess von Filmen und Filmbusiness – von der ersten Idee bis zur Premiere. Der Zugang zur „Babelsberg-Story“ ermöglicht spielerisch-intuitiv das Durchwandern der wechselvollen Geschichte des Medienstandortes, seiner Filme und seiner Menschen. Der Einfluss der Systeme auf Filme wird ebenso deutlich, denn Babelsberg war zu allen Zeiten eine Manufaktur der Träume, gerade auch dann, wenn Menschen mittels Kinofilmen manipuliert werden sollten. Berühmte Drehbücher, Noten, Filmtechnik, Kostüme und andere Originalexponate präsentieren die Ufa, DEFA und das heutige Studio Babelsberg.

Als herausragendes Event zum jeweiligen Themenjahr ist ohne Zweifel die Auftaktveranstaltung zu nennen. Sie fand in diesem Jahr am 12. Mai im Baudenkmal Bundesschule Bernau statt. Passend zum Themenjahr Kulturland Brandenburg 2011, in dem die Moderne im Vordergrund steht, wurde ein besonderer Ort ausgewählt.

„Das Baudenkmal Bundesschule Bernau“ ist nicht nur eine Inkunabel der Architektur der Moderne in Brandenburg, sondern es zeige, dass Brandenburg mehr zu bieten hat, als Schlösser, Spreewaldgurken und Beelitzer Spargel.“ Darauf wies Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, in ihrem Grußwort hin. Überraschungseffekte, wie dieses Baudenkmal, gebe es im Kulturjahr überall im Land, betonte sie. Die von Hannes Meyer (Bauhausdirektor von 1928-1930) und Hans Wittwer konzipierte und im Mai 1930 fertig gestellte Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) in Bernau bei Berlin ist ein Werk des Bauhauses in Dessau. Ihre Initialwirkung für eine neue Sicht auf künstlerische und pädagogische Prozesse in Kunst, Architektur und Design reicht bis zur Gegenwart.

Im Anschluss an den Festakt erlebten die Gäste ein vielfältiges Kulturprogramm, u.a. mit Musik, Führungen und Performances. Für staunende Augen sorgte ein besonderer Programmpunkt, das ‚Triadische Ballett‘. Künstler um die Gruppe ‚Cirque Artikuss‘ haben dieses experimentelle Ballett von Oskar Schlemmer phantasievoll in Bernau präsentiert. Auch das Fahrradkino der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste kam gut an, denn hier lief der Film nur, wenn sich die Zuschauer auch ins Zeug leg-ten und kräftig für ihr Vergnügen ’strampelten‘. Für die musikalische Umrahmung des Festaktes sorgte „Duo Cinema“ mit cineastischen Melodien. Im Anschluss präsentierte die Jazz-Band „Takabanda eXtended“ ihre Interpretation von Filmmusiken.

Viele Projekte im Themenjahr 2011 thematisierten die Geschichte und Geschichten rund um die Filme und Drehorte im Filmland Brandenburg. Auf dem Areal rund um den Kalk-Tagebau Rüdersdorf, auf dem bis heute rund 105 Filme gedreht wurden, fand im August am Originalschauplatz die Filmaufführung „Die Spinnen“ von Fritz Lang statt. Im November hat das Kulturhaus Rüdersdorf zu der Reihe »Kino – Kult« eingeladen. Neben Stummfilmen aus der Anfangszeit des Films werden Kinder- und Spielfilme der DEFA und des Fernsehens der DDR gezeigt. Am 18. November ließen es Manfred Krug und Uschi Brüning bei einem Konzert im Kulturhaus Rüdersdorf swingen.

Auch in Templin, Beelitz und Fürstenwalde drehte sich alles um die „Goldenen Zeiten“. Zu erleben waren Filme des frühen Tonfilmkinos, aus der Kaiserzeit und den Zwanziger Jahren. Diese einmaligen Zeitdokumente, die Einblicke in das frühe Schaffen der Babelsberger Studios gaben und zugleich Brandenburger Lokalkolorit vermittelten, wurden, wie damals üblich, live am Klavier begleitet. Besonders wurde in diesem Projekt deutlich, dass die Film- und Kinogeschichte im Land Brandenburg nicht nur eine der Metropolen Potsdam und Berlin ist: Nach der Gründung der Babelsberger Filmstudios vollzogen sich in ganz Brandenburg zahlreiche Kinogründungen. So entstand beispielsweise in Herzberg im „Schützenhaus“ ein stehendes Lichtspieltheater. Die Stadt Perleberg erhielt 1912 ihr erstes Kino. Ein Jahr später nahmen die „Union-Lichtspiele“ in Templin in dem Hotel und der Ausflugsgaststätte „Seebad“ ihren Betrieb auf. Einige Standorte aus den Anfangsjahren existieren noch heute.

In der Ausstellung „Verliebt in die Liebe – Filme und Filmstars im Spreewald“ im Museum Lübben drehte sich alles um den Spreewald und seine Stars, wie etwa den UFA- und Hollywood-Filmstar Camilla Horn. Sie wurde 1926 durch den Stummfilm-Klassiker „Faust – Eine deutsche Volkssage“ von Friedrich Wilhelm Murnau bekannt, wirkte bis 1945 in deutschen und internationalen Filmproduktionen mit. Der Spreewald dient seit 100 Jahren immer wieder als urwüchsige Filmkulisse. Das zeigt sich unter anderem in Filmen wie „Der fremde Vogel“ mit Asta Nielsen (1911), „Der Stolz der 3. Kompanie“ mit Heinz Rühmann (1932), in einer Folge der Fernsehserie „Polizeiruf 110“ von 1979, in dem für das Kino produzierten Spielfilm „Herzentöter“ (2006) bis hin zu den ZDF-Spreewald-Krimis, die seit 2006 in der Region gedreht werden.

Die Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ zeigte 2011 „Bewegte Bilder | Bewegte Städte“. Die Städte Bad Belzig, Beelitz, Dahme/Mark, Doberlug-Kirchhain und Kyritz sowie Perleberg informierten auf Schautafeln über Filme und über die – teilweise traditionsreiche – Geschichte der Lichtspielhäuser vor Ort. Ein reichhaltiges Programm mit Open-Air-Filmvorführungen, Führungen und Konzerten begleitete die Ausstellungen und zog viele Besucher an. Besondere Aufmerksamkeit zog das Projekt in Beelitz auf sich, wo mit dem „Deutschen Haus“ eines der ältesten Kinos des Landes ist. Das Gebäude befindet sich im Moment in einem sehr renovie-rungsbedürftigen Zustand. Das Themenjahr von Kulturland Brandenburg 2011 sowie das Engagement des Heimatvereins und der Verwaltung in der Stadt konnten erste Impulse setzen, um für dieses denkwürdige Haus ein neues Nutzungskonzept zu entwickeln.

Das Projekt „landmade“ stellte die Moderne in den Kontext der heutigen Zeit. Mit drei multimedialen Events an Originalschauplätzen ging es um Visionen für technischen und gesellschaftspolitischen Fortschritt im ländlichen Kontext. Dabei wurden Filme gezeigt, die einen Bezug zum Ort aufweisen, etwa bei der Veranstaltung in Groß Behnitz am 28. Mai, wo die Filme „Jakob der Lügner“ und „Inglorious Basterds“ gezeigt wurden, die damit den historischen Zusammenhang zwischen der Familie Borsig und dem Kreisauer Kreis reflektierten. Oder am legendären Flughafen in Stölln: Das Dorf im Havelland steht für Fortschritt und Erfindergeist. Der Flugpionier Otto Lilienthal machte hier seine Flugversuche – und stürzte hier zu Tode. Die Stöllner organisierten zu Ehren des berühmten Fliegers 1989 die spektakuläre Landung einer ausgesonderten Interflug-IL62-Passagiermaschine auf einem Acker. Erfinder, Welt-verbesserer und Flieger standen auch im Mittelpunkt des zweitägigen Events.

Eine ganz andere Vermittlung der „bewegten Bilder“ plant die kinematografische Installation „Alias Yederbeck“ in Potsdam. Ab 04. Dezember hebt sich der Vorhang in der Schinkelhalle und des benachbarten Kunstraums für eine hybride „Fiktion der Kunst“ mit aufwendiger Technologie (12-Kanal-Video, IOSONO Sound). Ein begehbares Panorama zeigt dem Besucher das Kino der Zukunft.

Im Themenjahr „Licht | Spiel | Haus – moderne in film. kunst. baukultur.“ stand neben dem Medium Film auch die Baukultur – und hier insbesondere die Architektur der Moderne – als weiterer Schwerpunkt im Mittelpunkt zahlreicher Ausstellungen und Veranstaltungen. „Licht, Luft und Sonne für alle“: Dieses Motto war eine der Maximen der Architektur der Moderne. Und diese hat nicht nur die Metropole Berlin geprägt. Was heute vielen unbekannt ist, auch in Brandenburg haben zahlreiche Architekten der Weimarer Republik ihre Zeugnisse architektonischer Moderne hinterlassen: Martin Gropius, Hermann Muthesius, Erich Mendelsohn, Bruno und Max Taut, Bernhard Sehring, Walter Gropius, Adolf Meyer, Hannes Meyer, Ludwig Mies van der Rohe und Hans Scharoun, um nur einige zu nennen. Kulturland Brandenburg hat sich im Jahr 2011 auf Spurensuche zu diesem baukulturellen Erbe begeben. Dabei reagierten die Architekten mit unterschiedlichen Lösungen auf die sich verändernden Erfordernisse der Zeit, die neue Ansätze, eine vielseitige Formgebung und die Verwendung anderer sowie preiswerter Baustoffe mit sich brachten. Glas, Stahl, Holz und auch Kupfer – wie in der Kupferhaussiedlung in Eberswalde – fanden Verwendung, um lebenswerte Wohnungen zu schaffen. Neue Siedlungen mit sozialer und gesellschaftlicher Infrastruktur wurden, ebenso wie moderne Einrichtungen für Bildung, Gesundheit und Erholung vielerorts geschaffen, so z.B. das Wohlfahrtsforum in Brandenburg an der Havel.

Progressive Ansätze in Erziehung und Bildung spiegelten sich in anderen Formen und Ansprüchen wider, wie das Stadttheater mit Doppelvolksschule in Luckenwalde zeigt. Der Wandel der Zeit manifestierte sich in Brandenburg auch im privaten Wohnhausbau: Moderne Bautypen von Villen, Einfamilienhäuser und Sommerresidenzen künden von neuen Lebensweisen. Hiervon zeugen Beispiele wie die Meisterhäuser in der Neuruppiner Siedlung Gildenhall, die in der Ausstellung „Ruppin modern. Moderne Baukultur in Neuruppin“ thematisiert wurden.

Einen repräsentativen Überblick über den umfangreichen Bestand der Architektur in Brandenburg von 1919 bis 1933, aber auch darüber hinaus, gab die Ausstellung „Aufbruch in die Moderne“ (15. April 2011 – 07. August 2011) im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam. Die Bauten dieser Epoche stehen für den Aufbruch in eine neue Zeit. Das Experimentieren und Gestalten mit neuen und anderen Formen und Materialien wie Glas, Beton und Stahl sowie der Einsatz von Farbe führte bei allen Bauaufgaben zu neuen Lösungen.

Ein besonderes Ergebnis der Ausstellung „Aufbruch in die Moderne“ betraf das Leitobjekt der Schau im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte: Dank des kontinuierlichen Engagements des Architekturvereins ArchitraV e.V. für das Objekt wurde im Rahmen der Ausstellungseröffnung „Der Musikpavillon – ein verstummter Klang der Moderne“ der Brandenburgischen Architektenkammer durch den Staatssekretär des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft, Rainer Bretschneider, ein Förderbescheid für erste Maßnahmen zur Sanierung des ruinösen Gebäudes übergeben. Der 1932 nach Entwürfen des Stadtarchitekten Reinhold Mohr errichtete Musikpavillon gilt nicht nur als eines der letzten originalen Zeugnisse aus der großen Zeit des Land- und Wassersportplatzes Luftschiffhafen, sondern auch als eines der konsequentesten Beispiele der Moderne.

Brandenburg verfügt über zahlreiche Baudenkmale. Dabei stehen die Bauten aus der Epoche der Weimarer Republik wie auch jene aus der Nachkriegsmoderne für den Aufbruch in eine neue Zeit. Die Innenstädte von Cottbus und Frankfurt (Oder) verdeutlichen, wie sich Stadtzentren oder ganze Stadtteile nachhaltig veränderten. Viele Projekte setzten sich mit Moderne und Modernisierung anhand ihrer konkreten Manifestationen in Stadt und Land auseinander. Ein Aspekt war dabei auch die Architektur der Ostmoderne, die bis heute zahlreiche Städte im Land Brandenburg prägt. „Mit uns zieht die Neue Zeit“ heißt etwa eine Ausstellung in Cottbus, „Metropolar“ organisierte ein Projekt mit dem Titel „Wird die Erbschaft abgelehnt? – (Ost)Moderne in Potsdam und anderswo“ in der Landeshauptstadt. Im Herbst erschien zum Projekt das Buch „Und der Zukunft zugewandt. Potsdam und der gebaute Sozialismus“. Der Verein Zeitpfeil lud in den „Denkraum Moderne“ und initiierte eine Diskussion über ländliche und urbane Zukunftsperspektiven im Land Brandenburg.

Besondere Projekte, die sich mit Themen beschäftigten, die Brandenburg von einer anderen, teilweise (noch) unbekannten Seite zeigten, war u.a. die Ausstellung „Überflug. Vom Mühlenberg nach Schönefeld“. An zwei Orten, in Caputh-Geltow und in Werder (Havel), wurde anhand umfangreichen Bildmaterials die Geschichte und Gegenwart der zahlreichen Flugplätze illustriert. Das Brandenburgische Land ist reich an Flugplätzen aller Art. Im Laufe des politischen Wandels im letzten Jahrhundert unterlagen die zahlreiche Flugplätze in Brandenburg einem Nutzungswandel. Nach der Wiedervereinigung wurden einige Flugplätze weiter genutzt, andere gerieten in Vergessenheit oder sind der Öffentlichkeit kaum noch bekannt. Jedoch die Zukunft dieser kleinen, in den Winkeln von Wiesen und Wäldern verborgenen Flugplätze ist zu einem wichtigen Thema geworden.

Auch die Filmdokumentation „Gartenstädte in Brandenburg – Zwischen Idyll und Aufbruch“, begab sich auf Spurensuche in die Moderne und zeigte die Historie und das heutige Leben in drei brandenburgischen Gartenstädten – Eden, Plaue, Marga: in Begegnungen und Bildern entrollt sich die architektonische und ideelle Vergangenheit, zeigen sich Dimensionen des Denkmalschutzes, der Ortsverbundenheit und des Heimatgefühls.

Auch die Kunst der Moderne hat Eingang in das Themenjahr 2011 gefunden. Eine Ausstellung über Valeska Gert (1892-1978), die neben Mary Wigman zu den wichtigsten Vertreterinnen des avantgardistischen Tanzes in den 1920er-Jahren zählt, zeigte das facettenreiche Leben des gefragten Stummfilmstars und der Schauspielerin unter der Regie von Filmgrößen wie Federico Fellini, Rainer Werner Fassbinder und Volker Schlöndorff. Als Tochter einer jüdischen Familie musste sie Anfang der 1930er-Jahre Deutschland verlassen. Sie emigrierte zunächst nach England und anschließend in die USA, wo sie jedoch nicht an ihre Erfolge anknüpfen konnte. 1947 kehrte sie nach Europa zurück und eröffnete zunächst in Zürich, anschließend in Berlin ein Kabarett, in dem sie dem jungen Klaus Kinski ein Forum bot. Sie selbst schlüpfte u. a. in die Rolle der „KZ-Kommandeuse Ilse Koch“, jene für ihre Grausamkeit bekannte und 1949 verurteilte Frau des Lagerkommandanten des KZ Buchenwald. 1951 eröffnete sie den bis heute legendären „Ziegenstall“ auf Sylt. In den 1960er-Jahren stand sie dann wieder vor der Kamera und spielte u. a. in Fassbinders Serie „Acht Stunden sind kein Tag“ oder Schlöndorffs „Fangschuß“.
Der Potsdamer Fotograf Steffen Mühle zeigte in Potsdam in der Ausstellung „Zelluloid“ fantasiereichen Foto-Arbeiten, die die Grenzen des Mediums überschrieten. Mit Witz und Spiellust kombinierte er Blümchenmuster mit fotografischen Fundstücken und erschaffte so für das Bild neue Existenzweisen. Die oft entstehende vermeintliche Idylle bildete dabei nur die Fassade, die Oberfläche für eine tiefsinnig-ironische Ambivalenz, die es lohnte, ergründet zu werden. Durch die Kooperation mit dem Filmmuseum erhielt Mühle die Möglichkeit, das umfangreiche Fotoarchiv des Museums zu sichten und als Rohstoff für seine künstlerischen Arbeiten zu verwenden. Mühle interessierten dabei weniger die Fotos der Stars im Rampenlicht, die meistens durch ihre optische Präsenz an der Oberfläche bleiben. Für seine Arbeit standen jene Aufnahmen im Vordergrund, die Einblicke hinter die Kulissen gewähren und eine Welt hinter der Kamera widerspiegeln, die oft skurril und geheimnisvoll erscheint.

Die Abschlussveranstaltung von Kulturland Brandenburg 2011 zum Themenjahr „LICHT | SPIEL | HAUS – moderne in film. kunst. baukultur“ fand in diesem Jahr in der Schinkelhalle in der Schiffbauergasse in Potsdam statt. Der Ort wurde vor allem wegen der Ausstellung „Alias Yederbeck“, die am 04. Dezember dort eröffnet wurde, ausgewählt. Sie stellt einen hervorragenden Schlusspunkt in diesem Themenjahr dar: Das Experiment „Alias Yederbeck“ stellt die immer wieder aktuellen Fragen: Was ist Film? Was ist Kino? Und wie sieht die Zukunft dieses Mediums aus?

Insgesamt hat das Themenjahr von Kulturland Brandenburg 2011 eine breite Fülle an verschiedenen Veranstaltungen geboten: zahlreiche Filmvorführungen, besonders angelehnt an die authentischen Drehorte, zogen viele Besucher an. Ebenso waren die Open-Air-Vorführungen waren sehr gefragt. Die verschiedensten Ausstellungen an Orten im ganzen Land haben Akzente gesetzt: das Ziel, die Moderne in Brandenburg facettenreich darzustellen und bekannter zu machen, ist erreicht worden: Die Moderne gehört eindeutig zu Brandenburg wie „Sanssouci, Seen, Spreewaldgurken und Spargel aus Beelitz“.

Als assoziiertes Projekt hat Kulturland Brandenburg intensiv das Kleist-Jahr 2011 beworben. Aus Anlass des 200. Todestages Heinrich von Kleists fanden in diesem Jahr zahlreiche Veranstaltungen statt, die zeigten, wie aktuell Kleists Werke auch heute noch sind. Lokale Schwerpunkte des Kleist-Jahres 2011 waren Frankfurt (Oder), die Geburtsstadt des Dichters, und Berlin, die Stadt, in der Kleist in seinen letzten Lebensjahren wirkte und die der Ort seines Freitodes wurde.

Wie jedes Jahr bot Kulturland Brandenburg auch im Jahre 2011 den Bewohnern und Gästen des Landes ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm, in dem alle künstlerischen Sparten einbezogen sind: Ausstellungen, Theater- und Filmvorführungen, Performances, Konzerte sowie Stadtrundgänge u.v.m. Dabei fanden die Veranstaltungen im ganzen Land viele Besucher.

 


BUCH zum Themenjahr

Buchcover

LICHT | SPIEL | HAUS
Moderne in Brandenburg: Film, Kunst und Baukultur

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Die Moderne fand vor allem in der Metropole Berlin statt? – Dieses Klischee widerlegen die Autoren von LICHT | SPIEL | HAUS auf überzeugende Weise. Sie erforschen die Erscheinungsformen der Moderne in Brandenburg und beleuchten eine spannungsreiche Zeit, deren Aufbruchstimmung sich in Film, Kunst, Architektur und Technik spiegelt. Ein Meilenstein der Brandenburger Moderne – auch in diesem Band – ist die Gründung der Babelsberger Studios. In deren gläsernen Ateliers trat vor rund 100 Jahren der Film, das »Medium der Moderne«, seinen unvergleichlichen Siegeszug an. Aber nicht nur Potsdam als Filmort steht im Fokus des Buchs. Das Filmland Brandenburg, mit seiner Geschichte(n) und vielen Drehorten und -kulissen werden präsentiert.

Auch die Moderne in der Baukultur und Architektur wird in zahlreichen Kapiteln – etwa zur Bauten der Klassischen Moderne, Moderne im Sozialismus, aber auch zu Brandenburgs Gartenstädte – beleuchtet.

Reich illustriert mit Aufnahmen des Fotografen Jürgen Hohmuth lädt LICHT | SPIEL | HAUS ein zu einer informativen und unterhaltsamen Reise durch das Kulturland Brandenburg auf den Spuren der Moderne.

Herausgegeben von Kulturland Brandenburg e.V.
192 Seiten, 194 farbige und 44 s/w-Abbildungen, Hardcover
Verlag Koehler und Amelang
Redaktion Anne-Katrin Ziesak
ISBN 978-3-7338-0379-7

 


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PROGRAMMHEFTE
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