Themenjahr 2010

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Der 200. Todestag der preußischen Königin Luise – die bis heute populär im Gedächtnis der Menschen verhaftet ist – wurde von Kulturland Brandenburg 2010 zum Anlass genommen, vergessene, verschüttete und nicht sichtbare Geschichte und Geschichten von Frauen in Brandenburg-Preußen historisch und aktuell zu beleuchten. Neben dem historischen Anlass des Themas wurden ebenso die aktuelle soziale, demografische und ökonomische Situation des Landes Brandenburg in den Blick genommen, gegenwärtige Probleme aufgegriffen und gesellschaftliche Zukunftsperspektiven diskutiert.

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Johann Heinrich Wilhelm Tischbein: Kronprinzessin Luise von Preußen, © SPSG

Dabei lockten im ganzen Land weibliche Persönlichkeiten zu zahlreichen Veranstaltungen, Film- und Theaterprojekten, Konzerten bis hin zu Stadt- und Architekturführungen sowie Ausstellungen. Es konnten Frauen in Brandenburg entdeckt werden, die ihre Zeit und die Menschen in ihr prägten oder es gegenwärtig tun. Denn Frauen waren und sind ihrer Zeit häufig voraus. Sie prägten oftmals den Zeitgeschmack, zeigten Größe und Emotionen, waren schöne Musen sowie intellektuelle Beraterinnen und sie beeindrucken bis heute durch Mut und Anmut.

Viele Projekte widmeten sich dem Thema in der historischen Rückschau, ohne jedoch den aktuellen Bezug in die heutige Zeit aus den Augen zu lassen. Im Mittelpunkt stand Königin Luise, die bis heute als schöne, feinsinnige und mutige Frau gilt. Aus diesem Grund stand sie bei Kulturland Brandenburg 2010 als Patin für alle Frauen, – für „Mut & Anmut“.

Courschleppe der Königin Luise und Schleppkleid, © SKH Georg Friedrich Prinz von Preußen, Hechingen, Burg HohenzollernSo präsentierte etwa die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten im Schloss Paretz, das vom Architekt David Gilly 1797 für Luise und Friedrich Wilhelm III. als ländlicher Rückzugsort errichtet wurde, die Kostüme und Gewänder der modebewussten Königin. Erstmals wurde der originale Kleiderbestand Luises zusammengetragen und aus modehistorischer Sicht eingeordnet. Ihre edlen Tageskleider, prachtvollen Abendroben, sportiven Reitkostüme, dazu ihre seidenen Hüte, bunten Kaschmirschals, Schmuck und Accessoires entfalten ein Modepanorama der Zeit. Die seltenen und bislang nicht präsentierten Originale zeigten ein besonderes kulturhistorisches Bild einer glanzvollen Epoche in Preußen und lockte rund 70.000 Besucher nach Paretz.

Ausstellung "Luise. Königin der Herzen" im Filmmuseum PotsdamDas Filmmuseum Potsdam nahm sich ebenso der ’Ikone’ Luise von Preußen an. In einer Ausstellung und einer Filmreihe von März bis Oktober wurde gefragt, wie Fernseh- und Filmproduktionen den Mythos Luise aufgegriffen haben und zugleich ein Teil dessen geworden sind. Denn Luise wurde geliebt und verklärt wie keine zweite preußische Königin. Dichter, Maler, Bildhauer verewigten sie in unzähligen Darstellungen. Und natürlich bemächtigte sich der Film ihrer ebenfalls. 1913 erschien sie zum ersten Mal auf der Leinwand. Von da an begegnete sie dem deutschen Kinopublikum in jedem Jahrzehnt und in jedem politischen Umfeld. Bekannte Schauspielerinnen, wie Henny Porten, Ruth Leuwerik und Regina Beyer, stellten sie dar.

Ausstellung "Preußens Eros - Preußens Musen" im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in PotsdamAuch andere Frauen, die ihre Epoche und die Zeit danach prägten, bereicherten das Themenjahr. In einer zentralen Ausstellung im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte wurde das Motto 2010 „Mut und Anmut“ im wahrsten Sinne versinnbildlicht: Ausgewählte und künstlerisch herausragende Bildnisse aus dem Zeitraum zwischen Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zeigten Frauen, die in der kollektiven Erinnerung Brandenburg-Preußens als weibliche Ikonen eine wichtige Rolle gespielt haben und heute noch spielen. Die Ausstellung Preußens Eros war von September bis zum Januar 2011 in Potsdam zu sehen.

Ausstellung "Die grüne Fürstin" in Branitz„Eine schöne Frau ist ein Schmuckstück, eine gute Frau ist ein Schatz.“ – Fürst Pücklers Reichtum war Lucie von Hardenberg, Ehefrau und Unterstützerin. Erstmals wurde in einer Ausstellung von Mai bis Oktober umfassend das Leben und Wirken von Lucie von Pückler-Muskau betrachtet. Die Schau Die grüne Fürstin begab sich auf historische Spurensuche nach der Lebensleistung der Fürstin und ihrem Anteil am Wirken ihres Mannes.

Ausstellung "Caroline de la Motte Fouqué – Chronistin der Moden" in Frankfurt (Oder)In Frankfurt (Oder) wurde von Mai bis August das Leben und Wirken einer weiteren selbstbewussten Adligen nachgezeichnet: Caroline de la Motte Fouqué. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Gut Nennhausen zu einem intellektuellen Zentrum, das von zahlreichen adeligen und bürgerlichen Literaten aufgesucht wurde, u.a. Joseph von Eichendorff und August Wilhelm Schlegel. Gastgeberin dieser illustren Runden war jene Caroline de la Motte Fouqué, „eine in allen Glorien erhabener Geistesbildung leuchtende Gestalt“, wie sie ihr Mann, Baron de la Motte Fouqué, beschrieb.

Else Weil © Kurt Tucholsky LiteraturmuseumEine andere Frau stand im Kurt Tucholsky Literaturmuseum Schloss Rheinsberg im Mittelpunkt: Tucholskys Verlobte Else Weil. Sie gilt als Vorbild für Claire in seiner Erzählung „Rheinsberg – Ein Bilderbuch für Verliebte“, die den jungen Autor auf Anhieb berühmt machte. Else Weil, die für die damalige Zeit ein neues, selbstbewusstes Frauenbild verkörperte, war eine der ersten Frauen, die in Preußen Medizin studierten. Die Ausstellung zeigte die Facetten dieser ungewöhnlichen und für jene Zeit fortschrittlichen Frau.

"Frauen machen Stadt" Projekt der AG "Städte mit historischen Stadtkernen"Einen Schwerpunkt innerhalb des Themenjahres von Kulturland Brandenburg 2010 organisierte erneut die Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ mit dem Projekt Frauen machen Stadt. Zahlreiche Städte in ganz Brandenburg beteiligten sich und stellten Frauen in den Mittelpunkt, die in der historischen und aktuellen Stadtentwicklung von Bedeutung waren bzw. sind. Ab Mai lockten spannende Persönlichkeiten und anspruchsvolle Begleitprogramme in Ausstellungen und Stadtführungen, Lesungen und Seminare.

„'Sie haben alle einen Knax' - Fontane und die Frauen", NeuruppinFontanes Frauen beschäftigten gleich zwei Projekte 2010: „Meine Frauengestalten haben alle einen Knax“, schrieb Theodor Fontane 1895 – eine Liebeserklärung an die Menschlichkeit seiner Heldinnen, an ihre Schwächen und Sünden. Im Rahmen der 2010 erstmals in Neuruppin stattfindenden Fontane-Festspiele wurden in Foto- und Audioinstallationen zehn Frauengestalten aus Fontanes Briefen und Romanen im Stadtraum von Neuruppin sowie in anderen brandenburgischen Städten präsentiert. Und in den Uckermärkischen Bühnen Schwedt standen die Ehefrau Emilie und Fontanes einzige Tochter im Mittelpunkt des Stückes Schicksal, ick erwarte Dir! Auf unterhaltsame Weise wurde mit Dialogen, Gedichten und Briefzitaten Fontanes der Einfluss der beiden Frauen auf das Werk des märkischen Schriftstellers verdeutlicht. Umrahmt von viel Musik wurde durch die Inszenierung ein Stück Zeitgeschichte Preußens und Brandenburgs lebendig.

Ausstellung "Zeitsprung – Aus der Sicht der Frauen" in CaputhDie Ausstellung Zeitsprung – Aus der Sicht der Frauen im Schloss Caputh, in der Stadtgalerie Kunstgeschoss Werder und im Heimathaus Caputh fragte ab August, wie es mit der Weiblichkeit heute bestellt ist und warf anhand von Porträtaufnahmen einen Blick auf das Alltagsleben und das gesellschaftliche Selbstverständnis von Frauen. Die Dokumentarfilmerin beschrieb dieses so: „Anmut ist schön, bewundernswert, aber selten. Keine Eigenschaft der Männer. Frauen gehen damit anders um, sie haben Anmut, weil sie Anmut leben.“

Einweihung der Tafel in Potsdam (Hermannswerder)Im Mittelpunkt des Projektes Frauenorte im Land Brandenburg stand die Erforschung der Lebenswege von Frauen, um die Spuren weiblichen Wirkens im Land Brandenburg in Geschichte und Gegenwart für die Öffentlichkeit sichtbar und erlebbar zu machen. So wurden beispielhaft Orte, die zum Leben und Schaffen der beschriebenen Frauen einen klaren Bezug haben, wie etwa Museen und Wohnhäuser, als Frauenorte durch einheitliche Tafeln auf Stelen gekennzeichnet.

Ausstellung "Lirum, Larum, Löffelstiel – Kinder, Küche, Klischee Mädchenspielzeug von Luise bis heute" in KleßenEmanzipationsgeschichte mal ganz anders präsentierte das Spielzeugmuseum im Havelland: Aus verschiedenen Epochen wurden in Klessen unterschiedliche Mädchenspielzeuge präsentiert, die als Spiegel für das sich wandelnde Selbstverständnis der Frauen stehen. Beginn der Schau war der 25. September. Sie ist noch bis April 2011 zu besichtigen.

Tanzprojekt "Break Classics: stay loose, boy – get cool, girl" in PotsdamAuch die Kammerakademie Potsdam setzte sich ebenfalls mit weiblichen Rollenbildern auseinander und nahm ein aktuelles Thema auf: Das Projekt Break Classics: stay loose, boy – get cool, girl brachte mit sozial benachteiligten Jugendlichen und professionellen Musikern und Tänzern ein Stück auf die Bühne, in dem das Leben von Mädchen im Milieu von Straßengangs thematisiert wurde. Es prallten dabei die Gegensätze von Jugendszene und „Hochkultur“ aufeinander.

Meike GoosmannMusikalisch wurde es auch in Cottbus: Drei Tage lang standen bei dem Jazzfestival Jazz-Feminale Frauen im Vordergrund, die sich im Bereich der Jazzmusik als Komponistinnen, Arrangeurinnen und Bandleaderinnen etabliert und profiliert haben. Im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus erwartet die Besucher unter Maria Baptist & Strings, Julia Hülsmann und Meike Goosmann mit dem Large Ensemble, sowie Christina Fuchs mit No Tango & Strings.

Ausstellung "Malerinnen des Havellands um 1900" in FerchAber nicht nur Musikfreunde bekamen im Themenjahr von Kulturland Brandenburg 2010 etwas geboten. Auch Liebhaber der bildenden Kunst kamen voll auf Ihre Kosten. In der Ausstellung Malerinnen des Havellands um 1900 wurden ab dem 24. Juli rund 30 Werke von heute fast vergessenen Künstlerinnen aus dem Raum Schwielowsee gezeigt, die um die Wende des vorletzten Jahrhunderts einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der Kunst der Moderne geleistet haben. Zur Ausstellung erschien ein Katalog, in dem nicht nur die Lebensdaten und die Lebensgeschichten der Künstlerinnen aufgezeigt werden, sondern auch die spezifischen Probleme, mit denen sich Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts konfrontiert sahen, wenn sie den Wunsch äußerten, Malerin zu werden.

Ausstellung "Schwesterherz 1x1 - Künstlerinnen in Brandenburg" in PetzowEinen Bogen von der Geschichte bis zur Gegenwart schlug das Projekt Schwesterherz. 1×1 – Künstlerinnen in Brandenburg, dass ab Mitte September in der Schinkelkirche in Petzow präsentiert wurde. Acht Brandenburger Gegenwartskünstlerinnen traten in einen künstlerischen Kommunikationsprozess mit acht Künstlerinnen Brandenburgs aus der Vergangenheit. Im Ergebnis sind Werke entstanden, die Persönlichkeit und Werk der ausgewählten Künstlerin mit zeitgenössischen Mitteln interpretierten.

Auftakt Kulturland Brandenburg 2010 in WiepersdorfDie Auftaktveranstaltung von Kulturland Brandenburg 2010 fand am 7. Mai rund um das Schloss und das Künstlerhaus Wiepersdorf statt.

Die Festrede der Schriftstellerin Julia Schoch zur Eröffnung des Kulturlandjahres 2010 in Wiepersdorf können Sie hier lesen.

 


BUCH zum Themenjahr

Buchcover


Mut und Anmut
Frauen in Brandenburg-Preußen

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Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Brandenburg ist weiblich. Wie geht es dieser Mehrheit im Land? Die ganz Ostdeutschland betreffenden Tatsachen sind bekannt: die schlechteren Arbeitsmarktbedingungen, eine niedrige Geburtenquote und die Abwanderung junger Frauen. Welche Chancen haben Frauen in Brandenburg heute, wie prägen sie die Gesellschaft? Wie veränderte sich das Leben und Arbeiten der Frauen nach dem Ende der DDR? Was kennzeichnet die Mädchen- und Frauenpolitik hierzulande?

Die Beiträge im vorliegenden Band bieten nicht nur Antworten zur Gegenwart, sondern vermitteln mit Porträts bekannter und unbekannter Frauen auch einen anderen Blick auf die Geschichte des Landes. Über welche politischen und gesellschaftlichen Einflussmöglichkeiten verfügten Kurfürstinnen, Königinnen, Kaiserinnen und welche Bedingungen kennzeichneten das Leben einer Bäuerin, Soldatenfrau, Gutsherrin oder Hugenottin? Wo war ihr Platz in der ländlichen Gesellschaft Brandenburgs?

Porträtreihen der Potsdamer Fotografin Anne Heinlein erkunden Berufe, Berufung und Frauenorte. Der Band „Frauen in Brandenburg“ zeichnet so eine facettenreiche Darstellung weiblicher Lebensentwürfe. Brandenburgs Frauen aus weiblicher Sicht. Die Autorinnen sind Wissenschaftlerinnen, Journalistinnen und Schriftstellerinnen in Berlin und Brandenburg.

Herausgegeben von Kulturland Brandenburg e.V.
192 Seiten, 24 x 22 cm, 116 farbige und 38 s/w-Abbildungen, Hardcover
Verlag Koehler und Amelang

ISBN 978-3-7338-0374-2

 


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