Rückblick auf das Themenjahr 2009
„Freiheit. Gleichheit. Brandenburg. Demokratie und Demokratiebewegungen

Das Jahr 2009 stand ganz im historischen Kontext der friedlichen Revolution 1989, die zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten führte. Aus diesem Grunde hat sich das Kulturlandjahr dieses Themas angenommen und „Demokratie und Demokratiebewegungen“ in den Mittelpunkt der Projekte und Veranstaltungen gestellt.
20 Jahre nach den Ereignissen von 1989/90 erscheint uns Demokratie heute als selbstverständliche Grundlage des gesellschaftlichen Lebens. Doch zu demokratischen Strukturen zu gelangen, war in der Vergangenheit häufig ein schwieriger Weg. Heute fällt es uns oft schwer, die errungene Demokratie zu gestalten. Aber nur die Demokratie gewährt die umfassende Vielfalt gesellschaftlichen Daseins – und bleibt entsprechend eine ständige Herausforderung
Das bedeutet, Demokratie ist ein interaktiver Prozess, sie lebt nicht vom Kopfschütteln oder Wegschauen, sondern vom Mitmachen und vom uneigennützigen Engagement der Menschen. Als Grundsatz dieser Interaktivität gilt immer Toleranz gegenüber des Anderen und Andersseins. Das berühmte Zitat des Schriftstellers und Philosophen Voltaire ist oberstes Gebot in der gemeinsamen, demokratischen Auseinandersetzung: „Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“
Die Schwerpunkte des Programms
Die etwa 40 Projekte des Jahres 2009 setzten sich in den unterschiedlichsten Formen mit dem Thema auseinander. Viele Partner widmeten sich dabei besonders der Demokratiebewegung in der ehemaligen DDR und dem Jahrestag des gesellschaftlichen Umbruchs in den Jahren 1989/90.

So konnten die Besucher der Marienkirche Frankfurt (Oder) durch das „Labyrinth der Wende“ spazieren, eine hölzerne Installation, deren improvisierte Materialien an die Situation eines geschichtlichen Umbruchs mit offenem Ausgang erinnern. Niemand wusste, was am nächsten Tag passieren würde, so wie der Besucher der Ausstellung niemals wusste, was ihn hinter der nächsten Ecke und am Ende des Labyrinthes erwartet.
Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten war mit einer Ausstellung von künstlerischen Fotografien im Schloss Babelsberg vertreten, die Peter Rohn im November 1989 im Bereich der Schlossgärten von Babelsberg, Glienicke und dem Neuen Garten aufgenommen hat. In vielen Projekten wurde das seither Erreichte, aber auch über die noch anzustrebenden Ziele reflektiert. Die Musikakademie Rheinsberg präsentierte drei szenische Kammermusiken aus Frankreich, Deutschland und Polen mit dem Thema „Wir sind das Volk“.
Und Trollwerk e.V. veranstaltete mit Künstlern eine Ausstellung zur Entwicklung der Potsdamer Schiffbauergasse von einer Industriebrache zum Kulturstandort mit großer sozialer Kompetenz. Dabei interagierten verschiedene künstlerische Ausdrucksformen wie Malerei, Performance, Installation, Fotografie und Film sowie experimentelle Videokunst miteinander und zeigten exemplarisch die gesellschaftlichen und kulturellen Umbrüche für die Menschen in dieser Region.
Ein Verbundprojekt realisierte die „AG Städte mit historischem Stadtkernen“ mit sieben beteiligten Kommunen, in dem sie mit „WendePunkte“ die Funktion des baukulturellen Erbes der Städte für die Herausbildung kultureller und sozialer Identitäten ab 1989 herausstellten. Kulturland Brandenburg beließ es aber nicht bei der Betrachtung der DDR-Zeit und der Wendejahre.
Einige Projekte schauten auch weiter zurück und widmeten sich demokratischen Entwicklungen zurückliegender Epochen: in einer Ausstellung zu Karl August von Hardenberg blickte das Themenjahr zu den demokratischen Wurzeln am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts zurück.
Einsteins Ideal der Demokratie wurde ebenso thematisiert wie das dunkelste Kapitel deutscher und brandenburgischer Geschichte, das geprägt war von der Bekämpfung aller freiheitlichen Tendenzen und demokratischer rechtsstaatlicher Prinzipien durch das nationalsozialistische Regime.
Festrede von Frau Dr. Sigrid Grabner zur Eröffnung des Kulturlandjahres 2009



