Mut & Anmut. Frauen in Brandenburg - Preußen
Der 200. Todestag der preußischen Königin Luise – die bis heute populär im Gedächtnis der Menschen verhaftet ist – wird von Kulturland Brandenburg 2010 zum Anlass genommen, vergessene, verschüttete und nicht sichtbare Geschichte und Geschichten von Frauen in Brandenburg-Preußen historisch und aktuell zu beleuchten. Neben dem historischen Anlass des Themas sollen ebenso die aktuelle soziale, demografische und ökonomische Situation des Landes Brandenburg in den Blick genommen, gegenwärtige Probleme aufgegriffen und gesellschaftliche Zukunftsperspektiven diskutiert werden.
Dabei locken im ganzen Land weibliche Persönlichkeiten zu zahlreichen Veranstaltungen, Film- und Theaterprojekten, Konzerten bis hin zu Stadt- und Architekturführungen sowie Ausstellungen. Entdeckt werden können Frauen in Brandenburg, die ihre Zeit und die Menschen in ihr prägten oder es gegenwärtig tun. Denn Frauen waren und sind ihrer Zeit häufig voraus. Sie prägten oftmals den Zeitgeschmack, zeigten Größe und Emotionen, waren schöne Musen sowie intellektuelle Beraterinnen und sie beeindrucken bis heute durch Mut und Anmut.

Viele Projekte widmen sich dem Thema in der historischen Rückschau, ohne jedoch den aktuellen Bezug in die heutige Zeit aus den Augen zu lassen. Im Mittelpunkt steht Königin Luise, die bis heute als schöne, feinsinnige und mutige Frau gilt. Aus diesem Grund soll sie bei Kulturland Brandenburg 2010 als Patin für alle Frauen, – für „Mut & Anmut“ stehen.
So präsentiert etwa die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten ab August im Schloss Paretz die Kostüme und Gewänder der modebewussten Königin. Die seltenen und bislang nicht präsentierten Originale zeigen ein besonderes kulturhistorisches Bild einer glanzvollen Epoche in Preußen.
Das Filmmuseum Potsdam nimmt sich ebenso der ’Ikone’ Luise von Preußen an. In einer Ausstellung und einer Filmreihe von März bis Oktober wird gefragt, wie Fernseh- und Filmproduktionen den Mythos Luise aufgegriffen haben und zugleich ein Teil dessen geworden sind.
Auch andere Frauen, die ihre Epoche und die Zeit danach prägten, bereichern das Themenjahr. In einer zentralen Ausstellung im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte wird das Motto 2010 „Mut und Anmut“ im wahrsten Sinne versinnbildlicht: Ausgewählte und künstlerisch herausragende Bildnisse aus dem Zeitraum zwischen Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zeigen Frauen, die in der kollektiven Erinnerung Brandenburg-Preußens als weibliche Ikonen eine wichtige Rolle gespielt haben und heute noch spielen. Die Ausstellung Preußens Eros ist ab September in Potsdam zu sehen.

„Eine schöne Frau ist ein Schmuckstück, eine gute Frau ist ein Schatz.“ – Fürst Pücklers Reichtum war Lucie von Hardenberg, Ehefrau und Unterstützerin. Erstmals wird in einer Ausstellung von Mai bis Oktober umfassend das Leben und Wirken von Lucie von Pückler-Muskau betrachtet. Die Schau Die grüne Fürstin begibt sich auf historische Spurensuche nach der Lebensleistung der Fürstin und ihrem Anteil am Wirken ihres Mannes.
In Frankfurt (Oder) wird von Mai bis August das Leben und Wirken einer weiteren selbstbewussten Adligen nachgezeichnet: Caroline de la Motte Fouqué. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Gut Nennhausen zu einem intellektuellen Zentrum, das von zahlreichen adeligen und bürgerlichen Literaten aufgesucht wurde, u.a. Joseph von Eichendorff und August Wilhelm Schlegel. Gastgeberin dieser illustren Runden war jene Caroline de la Motte Fouqué, „eine in allen Glorien erhabener Geistesbildung leuchtende Gestalt“, wie sie ihr Mann, Baron de la Motte Fouqué, beschrieb.
Eine andere Frau steht im Kurt Tucholsky Literaturmuseum Schloss Rheinsberg im Mittelpunkt: Tucholskys Verlobte Else Weil. Sie gilt als Vorbild für Claire in seiner Erzählung "Rheinsberg - Ein Bilderbuch für Verliebte", die den jungen Autor auf Anhieb berühmt machte. Else Weil, die für die damalige Zeit ein neues, selbstbewusstes Frauenbild verkörperte, war eine der ersten Frauen, die in Preußen Medizin studierten. Die Ausstellung zeigt ab Mitte November die Facetten dieser ungewöhnlichen und für jene Zeit fortschrittlichen Frau.

Einen Schwerpunkt innerhalb des Themenjahres von Kulturland Brandenburg 2010 organisiert erneut die Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ mit dem Projekt Frauen machen Stadt. Zahlreiche Städte in ganz Brandenburg beteiligen sich und stellen Frauen in den Mittelpunkt, die in der historischen und aktuellen Stadtentwicklung von Bedeutung waren bzw. sind. Ab Mai locken spannende Persönlichkeiten und anspruchsvolle Begleitprogramme in Ausstellungen und Stadtführungen, Lesungen und Seminare.
Fontanes Frauen beschäftigen gleich zwei Projekte 2010: „Meine Frauengestalten haben alle einen Knax“, schrieb Theodor Fontane 1895 – eine Liebeserklärung an die Menschlichkeit seiner Heldinnen, an ihre Schwächen und Sünden. Im Rahmen der 2010 erstmals in Neuruppin stattfindenden Fontane-Festspiele werden in Foto- und Audioinstallationen zehn Frauengestalten aus Fontanes Briefen und Romanen im Stadtraum von Neuruppin sowie in anderen brandenburgischen Städten präsentiert. Und in den Uckermärkischen Bühnen Schwedt stehen ab 16. April Ehefrau Emilie und Fontanes einzige Tochter im Mittelpunkt des Stückes Schicksal, ick erwarte Dir! Auf unterhaltsame Weise wird mit Dialogen, Gedichten und Briefzitaten Fontanes der Einfluss der beiden Frauen auf das Werk des märkischen Schriftstellers verdeutlicht. Umrahmt von viel Musik wird durch die Inszenierung ein Stück Zeitgeschichte Preußens und Brandenburgs lebendig.
Die Ausstellung Zeitsprung – Aus der Sicht der Frauen im Schloss Caputh, in der Stadtgalerie Kunstgeschoss Werder und im Heimathaus Caputh fragt ab August, wie es mit der Weiblichkeit heute bestellt ist und wirft anhand von Porträtaufnahmen einen Blick auf das Alltagsleben und das gesellschaftliche Selbstverständnis von Frauen.
Im Mittelpunkt des Projektes Frauenorte im Land Brandenburg steht die Erforschung der Lebenswege von Frauen, um die Spuren weiblichen Wirkens im Land Brandenburg in Geschichte und Gegenwart für die Öffentlichkeit sichtbar und erlebbar zu machen. So werden beispielhaft Orte, die zum Leben und Schaffen der beschriebenen Frauen einen klaren Bezug haben, wie etwa Museen und Wohnhäuser, als Frauenorte durch einheitliche Tafeln auf Stelen gekennzeichnet.
Emanzipationsgeschichte mal ganz anders präsentiert das Spielzeugmuseum im Havelland: Aus verschiedenen Epochen werden in Klessen unterschiedliche Mädchenspielzeuge präsentiert, die als Spiegel für das sich wandelnde Selbstverständnis der Frauen stehen. Beginn der Schau ist der 25. September.
Auch die Kammerakademie Potsdam setzt sich ebenfalls mit weiblichen Rollenbildern auseinander und nimmt ein aktuelles Thema auf: Das Projekt Break Classics: stay loose, boy – get cool, girl bringt mit sozial benachteiligten Jugendlichen und professionellen Musikern und Tänzern ein Stück auf die Bühne, in dem das Leben von Mädchen im Milieu von Straßengangs thematisiert wird. Es prallen dabei die Gegensätze von Jugendszene und „Hochkultur“ aufeinander.

Musikalisch wird es auch in Cottbus: Vier Tage lang stehen bei dem Jazzfestival Jazz-Feminale Frauen im Vordergrund, die sich im Bereich der Jazzmusik als Komponistinnen, Arrangeurinnen und Bandleaderinnen etabliert und profiliert haben. In Kooperation mit Cottbuser Kultureinrichtungen sollen Workshops angeboten werden, die junge Jazzmusikerinnen aus der Region in das Festival einbinden.
Aber nicht nur Musikfreunde bekommen im Themenjahr von Kulturland Brandenburg 2010 etwas geboten. Auch Liebhaber der bildenden Kunst kommen voll auf Ihre Kosten. In der Ausstellung Malerinnen des Havellands um 1900 werden ab dem 24. Juli rund 30 Werke von heute fast vergessenen Künstlerinnen aus dem Raum Schwielowsee gezeigt, die um die Wende des vorletzten Jahrhunderts einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der Kunst der Moderne geleistet haben.
Einen Bogen von der Geschichte bis zur Gegenwart schlägt das Projekt Schwesterherz 1x1 - Künstlerinnen in Brandenburg, dass ab Mitte September in der Schinkelkirche in Petzow präsentiert wird. Acht Brandenburger Gegenwartskünstlerinnen treten in einen künstlerischen Kommunikationsprozess mit acht Künstlerinnen Brandenburgs aus der Vergangenheit. Im Ergebnis entstehen Werke, die Persönlichkeit und Werk der ausgewählten Künstlerin mit zeitgenössischen Mitteln interpretieren.

Die Auftaktveranstaltung von Kulturland Brandenburg 2010 findet am 7. Mai ab 16.00 Uhr rund um das Schloss und das Künstlerhaus Wiepersdorf statt.
Das kulturelle Netzwerk Kulturland Brandenburg nimmt Sie mit auf Streifzüge durch das Land rund um Berlin. Entdecken Sie Brandenburg neu. Mit uns!
Wir freuen uns darauf, Sie bei der einen oder anderen Veranstaltung begrüßen zu dürfen.
Ihr Kulturland Brandenburg-Team



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