| Demokratie und Demokratiebewegung
Demokratie erscheint uns heute als selbstverständliche Grundlage des gesellschaftlichen Lebens. Doch zu demokratischen Strukturen zu gelangen, war in der Vergangenheit häufig ein schwieriger Weg. Heute fällt es uns oft schwer, die errungene Demokratie zu gestalten, wie das Phänomen der „Politikverdrossenheit“ zeigt. Aber nur die Demokratie gewährt die umfassende Vielfalt gesellschaftlichen Daseins – und bleibt entsprechend eine ständige Herausforderung. Darum ist das Themenjahr 2009 von Kulturland Brandenburg Demokratie und Demokratiebewegungen betitelt und die etwa 40 Projektpartner setzen sich mit dem gestellten Thema in den unterschiedlichsten Formen wie Theater-, Film- und Kunstprojekten, Konzerten und Ausstellungen auseinander. Entsprechend des Jahrestages widmen sich besonders viele Projekte dem gesellschaftlichen Umbruch im Jahre 1989. Hierzu stellt das Zentrum für Zeithistorische Forschung einen besonderen Beitrag, indem es das Haus Lindenstraße 54/55 thematisiert. Diesen Bau in der Mitte Potsdams, der seit dem 19. Jahrhundert kontinuierlich zur Unterdrückung demokratischer Strukturen und zuletzt als Untersuchungsgefängnis des MfS diente, konnte die Bürgerbewegung im Herbst 1989 von der Staatssicherheit übernehmen und widmete es zum „Haus der Demokratie“ um. In unseren Erinnerungen – aus unseren Archiven nennt der Brandenburgische Verband Bildender Künstlerinnen und Künstler seine zu mehreren Orten wandernde Fotoausstellung. Hier werden zum Teil noch nie gezeigte, spektakuläre Aufnahmen präsentiert, die die Aktionen der Demokratiebewegung 1989 reflektieren. Demgegenüber zeigt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten eine Ausstellung von künstlerischen Fotografien, die Peter Rohn im November 1989 anlässlich der „Mauer“-Öffnung im Bereich der Schlossgärten von Babelsberg, Glienicke und dem Neuen Garten geschaffen hat. Das Filmmuseum Potsdam bringt sich in das Themenjahr mit seiner Aufführungsreihe Runder Tisch der Generationen – Die DEFA-Nachwuchsbewegung zwischen 1980 und 1992 ein. Und in Cottbus widmet das Filmfestival eine Filmreihe der künstlerischen Opposition in der DDR. Eine zentrale Ausstellung des Themenjahres im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam geht zurück zu den Anfängen der Demokratie in Preußen. Unter dem Titel Zwischen Revolution, Reform und Reaktion – Karl August von Hardenberg (1750-1822) wird das durch Leidenschaften geprägte Leben des späteren Staatskanzlers in der Zeitgeschichte nachgezeichnet. Seine Reformpläne und Verfassungsentwürfe sollten Weichen gesellschaftlichen Umbau in Preußen stellen und wurden noch über seinen Tod hinaus von vielen Seiten bekämpft. In seinem ehemaligen Wohnort Caputh geht der „Initiativkreis Albert-Einstein-Haus“, dem Demokratie-Ideal des großen Physikers nach und reflektiert dabei das Demokratieverständnis im 20. Jahrhundert zwischen untergegangener Monarchie und beginnender Diktatur. Eine Wanderausstellung präsentiert das Brandenburgische Landeshauptarchiv zur Aufarbeitung des Unrechts von Diktaturen in demokratischer Gesellschaft. Unter dem Titel Aktenkundig: `Jude´! - Vertreibung – Ermordung - Erinnerung wird dem Thema Judenverfolgung in Brandenburg 1933-45 und ihrer heutigen Beachtung nachgegangen. Bürgerschaftsengagement zur Schaffung einer städtischen Kunstsammlung ab 1909 zeigt das Potsdam Museum in seiner großen Schau Kunst ohne König. Weiter gefasst sehen künstlerische Projekte das Thema: Die Musikakademie Rheinsberg präsentiert drei szenische Kammermusiken aus Frankreich, Deutschland und Polen mit dem Thema Wir sind das Volk. Und Trollwerk e.V. veranstaltet mit Künstlern eine Ausstellung zur Entwicklung der Potsdamer Schiffbauergasse von einer Industriebrache zum Kulturstandort mit großer sozialer Kompetenz. Ein Verbundprojekt realisiert die „AG Städte mit historischem Stadtkernen“ in dem sie mit WendePunkte die Funktion des baukulturellen Erbes der Städte als für die Herausbildung kultureller und sozialer Identitäten ab 1989 herausstellen. Zahlreiche weitere Ausstellungen, Aufführungen, Führungen und sonstige Veranstaltungen laden dazu ein, die vielfältigen Facetten demokratischen Gesellschaftslebens und -strebens zu entdecken und zu diskutieren. In der Begleitpublikation zum Themenjahr 2009 positionieren sich prominente und kompetente Autoren in bisweilen kontroverser Weise zum Thema. Dabei werden zwei Akzente gesetzt: zum einen die Entwicklung des Demokratiebegriffs im Laufe der Zeit, zum anderen die Frage, über welche Form von Demokratie heute politisch verhandelt wird. Wir freuen uns, Sie bei der einen oder anderen Veranstaltung persönlich begrüßen zu dürfen. Zum Vertiefen des Themas: | |||||||||||||||||||||||